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Merkel und Macron eröffnen Frankfurter Buchmesse

Bekenntnis zur Pressefreiheit Merkel und Macron eröffnen Frankfurter Buchmesse

Mit einem Bekenntnis zur Meinungs- und Pressefreiheit haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Staatspräsident Emmanuel Macron am Dienstagabend die Frankfurter Buchmesse eröffnet.

Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Eröffnungsveranstaltung der Frankfurter Buchmesse in Frankfurt.

Quelle: imago stock&people

Frankfurt (Oder). „In der Literatur spiegelt sich die Seele unserer freiheitlich verfassten Gesellschaft wider, in der die Freiheit des Geistes und der Meinungsäußerung einher geht mit politischer Freiheit“, sagte Merkel. Sie und Macron wüssten, wie wichtig es sei, sich überall in der Welt für etwas einzusetzen, was uns selbstverständlich sei.

Die Kultur könne Europa helfen, sich in einer Welt des Wandels zurechtzufinden. Autoren würden gebraucht als „Seismographen aktueller und denkbarer Entwicklungen, als Ideengeber und Brückenbauer“, betonte Merkel. Frankreich ist diesmal Gastland der weltgrößten Fachmesse, zu der mehr als 7.150 Ausstellern aus 106 Ländern erwartet werden. Aus Frankreich haben 180 Autoren ihr Kommen zugesagt, darunter Michel Houellebecq, Mathias Enard, Yasmina Reza und Alain Mabanckou.

Der französische Staatspräsident Macron bezeichnete die Literatur als „beste Waffe“ gegen jene, die versuchten, Mauer zwischen Menschen zu bauen und Fanatismus zu schüren. Er betonte ihre Bedeutung für die deutsch-französischen Beziehungen und plädierte für mehr bilingualen Unterricht an den Schulen. Zugleich sprach er sich dafür aus, den Bologna-Prozess für die Universitäten auf Schulen auszuweiten.

Der Direktor der Frankfurter Buchmesse, Juergen Boos, misst der Buchbranche in einer immer unübersichtlicheren Welt eine stabilisierende Rolle zu. „Wo tiefe Risse fast alle Gesellschaften prägen und Fake News die journalistische Berichterstattung herausfordern, wächst der Wunsch nach fundiertem Wissen und gut recherchierten Nachrichten“, sagte Boos vor der Eröffnungsfeier vor Journalisten. Verlagen komme hier eine enorme Bedeutung zu: „Wir liberal-demokratisch gesinnten Büchermenschen müssen in Zeiten, in denen giftige Narrative Hochkonjunktur haben und die Verbreitung von Angst und Hass wieder gesellschaftsfähig wird, mit attraktiveren Gegenentwürfen antworten.“

Der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Heinrich Riethmüller, sagte bei der Eröffnung: „Die Türkei ist noch immer das größte Gefängnis für Journalisten und Autoren weltweit.“ Bereits zuvor hatte er kritisiert, dass in vielen Teilen der Welt Kulturschaffende von Despoten „drangsaliert, inhaftiert und mit dem Leben bedroht“ würden. Er erinnerte an den Blogger Raif Badawi in Saudi-Arabien, den Buchhändler Gui Minhai in China sowie den deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel und die Übersetzerin Mesale Tolu in der Türkei.

Vorsichtig optimistisch gab sich Riethmüller hinsichtlich der wirtschaftlichen Situation der Verlage. Trotz erheblicher Medienkonkurrenz habe die Branche ihren Umsatz in den vergangenen zehn Jahren auf einem gleichbleibend hohen Niveau halten können. Nach einem Plus von einem Prozent im Jahr 2016 habe sie bis Ende September ein Minus von einem Prozent gegenüber dem Vorjahr registriert, sagte der Börsenvereins-Chef. Allerdings erwarte die Branche ein gutes Herbst- und Weihnachtsgeschäft mit starken Bestsellern.

Zur weltweit größten Bücherschau werden bis Sonntag rund 280.000 Besucher erwartet. Auf dem Programm stehen mehr als 4.000 Veranstaltungen mit mehr als 600 Autoren, darunter Prominente wie Dan Brown, Cecilia Ahern, Ken Follett und Reinhold Messner. Am Wochenende öffnet die Messe traditionell ihre Tore für das allgemeine Publikum. Zum Abschluss wird am Sonntag in der Paulskirche der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. Er geht in diesem Jahr an die Kanadierin Margaret Atwood.

Von dpa/RND