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Echo: Die Helene-Fischer-Krönung

Preisverleihung Echo: Die Helene-Fischer-Krönung

Bei der 25. Echo-Preisverleihung in Berlin geht Helene Fischer als große Siegerin vom Platz – und die deutsche Musikbranche feiert sich selbst.

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Keine hat so viele Echos wie Helene Fischer.

Quelle: Jens Kalaene/dpa

Berlin. Die große Siegerin stand quasi schon vor der Echo-Verleihung fest. Helene Fischer hatte in diesem Jahr allerbeste Karten, nach ihrem Trophäen-Quartett 2015 erneut Echo-Geschichte zu schreiben. Für drei Echos war die Sängerin diesmal nominiert; ein einziger reichte aus, um die Kastelruther Spatzen vom Spitzenreiter-Thron zu stoßen. 13 Echos hat die Schlagertruppe bereits auf dem Konto, Fischer bis Donnerstagabend erst zwölf. Der Plot ging auf. Mehr als das.

Die 25. Echo-Verleihung in den Messehallen unter dem Berliner Funkturm war eine Art Krönungszeremonie. Seit Donnerstagabend regiert mit 16 Echos endgültig Königin Fischer die deutsche Musikwelt. Gehuldigt wurde der Schlager-Queen, die inzwischen auch in Popgefilden abräumt, beim alljährlichen Branchenfest nicht zu knapp. Barbara Schöneberger, die die Jubiläumsgala moderierte und sich im Vorfeld auch „am allermeisten auf die Fischer“ gefreut hatte, ließ aber glücklicherweise die anderen Künstler nicht zu kurz kommen. Rund hundert Nominierte in 31 Kategorien waren vor acht Uhr über den lilafarbenen Teppich flaniert, um sich den wichtigsten deutschen Musikpreis, den die Deutsche Phono-Akademie seit 1992 verleiht, abzuholen. 

Sarah Connor beste deutsche Sängerin

Zu den ersten, die jubeln durfte, zählte die deutsche Sängerin Sarah Connor. „Dass ich mal in meiner eigenen Muttersprache erfolgreich sein werden, hätte ich früher nie gedacht“, gab die Berlinerin zu, als sie von Schauspielerin und Freundin Alexandra Maria Lara den Echo in der Kategorie „Künstlerin Rock/Pop National“ überreicht bekam. Das die Auszeichnung verdient war, bewies sie später auf der Bühne im Duett mit dem britischen Singer-Songwriter James Bay. Letzterer war einer der wenigen internationalen Stars, die es am Donnerstagabend nach Berlin geschafft hatten. Aus Kanada eingeflogen: The Weeknd. Aus Irland herübergeschippert: Enya. Ansonsten glänzten sowohl Nominierte als auch Preisträger aus dem Ausland mit allgemeiner Abwesenheit und schickten allenfalls Videobotschaften. 

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Die Echo-Verleihung wurde zu Helene-Fischer-Festspielen.

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Der Echo, der sich so gern mit internationalen Preisen wie dem Grammy vergleicht, ist am Ende eben doch nur ein nationales Klassentreffen. Keine Jury entscheidet, wer gewinnt. Ausschlaggebend sind allein die Plattenverkäufe. Kein Wunder also, dass als nächstes der Oldenburger DJ Robin Schulz gleich zwei der zweieinhalb Kilogramm schweren Trophäen aus dem Saal schleppte. Er gewann als „Bester Nationaler Act im Ausland“ und in der Kategorie „Dance National“ – wäre er nicht so verdammt cool, hätte er sich auch ein bisschen freuen können. 

Frei.Wild wurde ausgebuht

Die große Überraschung des Abends hieß am Ende allerdings Joris: Der Bielefelder Sänger gewann drei Echos, während Topfavoriten wie Sido leer ausgingen. Den einzigen richtigen Eklat der Jubiläumsgala produzierten wiederum vier Südtiroler: Frei.Wild wurde als beste Rock-Alternative-Band ausgezeichnet, woraufhin sie vom Publikum hörbar ausgebuht wurde. Die Gruppe, vor fünf Jahren wegen rechtsnationaler Tendenzen beim Echo noch nicht geduldet, konterte mit Sprüchen wie „Wir sind, was wir sind“, ergriffen ihren Preis und stapften direkt Richtung Ausgang. Zu den Gewinnern des Abends gehörte hingegen Xavier Naidoo, selbst wenn er die Halle nicht als Preisträger verließ: Diesmal durfte der Heidelberger in der ARD singen, und wollte es auch. Mit „Frei“ zeigte er, dass er des Eurovision Song Contests in Schweden durchaus würdig gewesen wäre.  

Sein ESC-Ticket hat nun Jamie-Lee Kriewitz, die am Abend nochmals für ihren großen Auftritt am 14. Mai in Stockholm proben durfte. Proben müssen die Puhdys keineswegs mehr: Die Altrocker aus dem Osten wurden von Kollege Peter Maffay mit dem Echo für ihr Lebenswerk geehrt. Zu fünft nahmen sie den Preis entgegen – und kündigten an, im Sommer in Rente zu gehen. Nach dieser Echo-Verleihung könnte sich auch Helene Fischer getrost zur Ruhe setzen: Für drei Echos war sie nominiert, mit vieren ging sie am Ende nach Hause. Das ist neuer Rekord – und Geschichte.     

Von Sophie Hilgenstock

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