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Orchestraler Luxus für Salzburg

Osterfestspiele Orchestraler Luxus für Salzburg

Am Montag Christian Thielemann mit den Wiener Philharmonikern, am Dienstag noch einmal Christian Thielemann, diesmal mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden und am Mittwoch Simon Rattle mit den Berliner Philharmonikern – drei Weltklasseorchester in drei Tagen!

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Die drei großen Orchester aus Dresden, Wien und Berlin begeistern das Publikum

Quelle: OFS/Thielemann

Salzburg. Wo sonst bekommt man das geboten?! Salzburg macht es möglich, um Herbert von Karajan, den Gründer der weltberühmten, 1967 von ihm begonnenen Osterfestspiele, gebührend zu ehren. Mit den Berlinern und Wienern war er bekanntlich eng verbunden, und mit der Staatskapelle hat er gerne musiziert, wann immer es die Umstände erlaubten – seine herrliche „Meistersinger“-Einspielung legt beredtes Zeugnis davon ab.

Franz Welser-Möst eröffnete den Reigen der großen Orchesterkonzerte mit einer außerordentlich ausgefeilten, detailgenauen Neunten Sinfonie von Gustav Mahler. Was er hier der Sächsischen Staatskapelle, die noch am Abend zuvor in Wagner'schem Wohllaut schwelgen durfte, abverlangte, war ganz außergewöhnlich, denn in dieser gigantischen Sinfonie führte er sie Musiker gleich durch mehrere Abgründe und Höllen – man denke nur an die Rondo-Burleske (3. Satz), dessen Wildheit und Schroffheit er mit geradezu fanatischer Unbedingtheit ausmusizieren ließ. Und dann der lange Finalsatz, das Adagio, dem Welser-Möst alle Gefühligkeit nahm und so zu der erschütternden Substanz dieses langen Abschiednehmens vorstieß! Das war ein herausfordernder, ein unbequemer Mahler von manchmal apokalyptischen Dimensionen.

Wenn der Chef der Staatskapelle „fremd geht“, wenn er die ihm wohlvertrauten Wiener Philharmoniker dirigiert, dann ist das ein außergewöhnliches Fest, zumal dann, wenn Beethovens Neunte auf dem Programm steht. Wie Christian Thielemann dem Kopfsatz Wucht und Kampfesgeist verlieh, wie er sich in das wilde, trotzige Getümmel des Scherzo stürzte und die elysischen Höhen des von ihm in der Tat „molto cantabile“ genommenen Adagios auskostete, das war hinreißend. Für den Finalsatz aber, für „Freude schöner Götterfunken“, hatte Thielemann noch einmal eine bis zum Freudentaumel führende Steigerung parat: „Ahnest du den Schöpfer, Welt? Über Sternen muss er wohnen“. Die exzellenten vier Gesangssolisten Anja Harteros, Christa Meyer, Peter Seiffert und Georg Zeppenfeld, die bereits in der „Walküre“ geglänzt hatten, verdienen zusammen mit dem Wiener Singverein ein Extralob.

Der gewaltigen Vierten von Anton Bruckner stellte Christian Thielemann Mozarts Klavierkonzert Nr. 21 in C-Dur voran, das von dem jungen russischen Pianisten Daniil Trifonov, dem diesjährigen Dresdener „Capell-Virtuos“ (Artist in Residence) meisterhaft und ungewöhnlich geschmeidig und poesievoll gespielt wurde. Die Qualitäten der Staatskapelle traten bereits hier zutage und zeigten sich dann in Bruckners „Romantischer Sinfonie“ in überwältigender Pracht. Schon bei den zart tremolierenden Streicherakkorden des Anfangs begann ein Spannungsbogen von überwältigendem Ausmaß, der die visuelle Phantasie immer wieder und immer intensiver beflügelte. Die lange währende Stille nach dem triumphalen Finale zeugte von der Ergriffenheit des Publikums, das sich dann mit nicht enden wollenden Ovationen bei der Staatskapelle und ihrem Chefdirigenten Christian Thielemann bedankte. Einmal mehr erwies sich dieser als einer der führenden Bruckner-Dirigenten – viele halten ihn sogar für den besten.

Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker gewannen die Herzen des Publikums im Großen Festspielhaus im Sturm, obwohl (oder weil?) sie mit einem der sperrigsten, schwierigsten und unbequemsten Werke der Musikgeschichte gastierten, der Sechsten, der „Tragischen“ von Gustav Mahler. Mit Heftigkeit und energischem Vorwärtsdrängen begann Rattle diese kolossale anderthalb stündige Sinfonie, er ließ jedes Detail genauestens ausmusizieren, malte Bilder in grellen Extremfarben und schreckte auch vor grotesken Verzerrungen nicht zurück. Bei so vielen Attacken und schmerzhaften  Reibungen, bei derart dramatischen Höllenritten wirkten die unvermittelt auftauchenden Klangbilder mit friedlichen Kuhglocken wie eine Insel des Glücks inmitten einer im Zerbrechen befindlichen Welt. Wundervoll, wie Rattle diesen Kontrast herausarbeitete, grandios aber auch, wie er im Finalsatz mit zwei gewaltigen Holzhammerschlägen Abgründe aufgerissen hat.

  www.osterfestspiele-salzburg.at 

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