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Saison-Bilanz: Die Angst vor den Gefühlen

Theater Saison-Bilanz: Die Angst vor den Gefühlen

"Echte lebende Kinder" versprach eine der beliebtesten Inszenierungen des diesjährigen Berliner Theatertreffens. Und nicht nur das deutsch-britische Ensemble Gob Squad mit seinem Stück "Before Your Very Eyes" setzte in der zu Ende gehenden Theatersaison auf die Sehnsucht der Zuschauer nach Wahrhaftigkeit.

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Intendant des Berliner Ensembles: Claus Peymann beschwert sich über Action statt Dramatik auf den Theaterbühnen.

Quelle: Hannibal

Berlin. Ob private Dramen oder politische Krisen - das echte Leben soll auf die Bühne, am besten mit echten Protagonisten. Doku-Theater steht an den deutschen Bühnen weiter hoch im Kurs. Die Grenzen zu Performancekunst, Happening oder reinem Spektakel sind mitunter fließend.

Hauptsache unterhaltend, scheint die Devise mancher Theatermacher zu sein. "Angst vor Gefühlen" vermutet Regisseur und Theaterintendant Claus Peymann hinter dem Hang zu Action auf der Bühne und der Abkehr von poetischer Dramatik. "Das ist ja unsere Zeit: dass wir unsere Gefühle verleugnen", so der 75-jährige Peymann.

Dabei hat die veränderte Sichtweise auf das Theater sicher auch etwas mit dem Nachwachsen einer neuen Generation von Theatermachern zu tun. "Es gibt definitiv einen Generationswechsel", sagt die neue Theatertreffen-Leiterin Yvonne Büdenhölzer (35).

Vorbei scheint die Zeit der ultrakurzen Inszenierungen im maximal 90-Minuten-TV-Format - auch wenn es nicht gleich eine 12-stündige Inszenierung wie der Ibsen-Parforceritt "John Gabriel Borkman" von Vegard Vinge, Ida Müller und Trond Reinholdsten sein muss.

Neu ist, dass die Regisseure das Publikum ausdrücklich ermuntern, den Saal zwischendurch ruhig mal zu verlassen, um ein Bier zu trinken oder einfach Pause zu machen. "Generell frage ich mich schon, ob die langen Inszenierungen auch eine Antwort der Theatermacher auf die Beschleunigung unserer Gesellschaft sind", sagt Büdenhölzer.

Während in dieser Saison viele junge Regisseure die Bühnen eroberten, blieb zumindest in der Chefetage der Berliner Volksbühne alles beim Alten. Frank Castorf (60) verlängerte seinen Vertrag bis zum Ende der Spielzeit 2015/16. Derzeit ist er mit den Vorbereitungen für den Jubiläums-"Ring des Nibelungen" beschäftigt, der 2013 in Bayreuth Premiere hat.

Am Berliner Maxim Gorki Theater wurde die Nachfolge von Armin Petras geregelt, der 2013 Hasko Weber als Intendant des Stuttgarter Staatstheaters ablöst. Shermin Langhoff vom viel gelobten Berliner Off-Theater Ballhaus Naunynstraße wird das Haus unweit des Boulevards Unter den Linden übernehmen.

In München versprach Intendant Martin Kusej mit Blick auf sein Publikum, weniger radikal in seine zweite Spielzeit am Residenztheaters zu gehen und auch wieder etwas mehr auf Klassiker ins Programm zu nehmen. Und eine Australierin gehörte zu den am meisten bejubelten Schauspielerinnen der Saison: In Botho Strauß' "Groß und klein" stand Hollywoodstar Cate Blanchett bei den Wiener Festwochen und den Ruhrfestspielen Recklinghausen als grandiose Lotte-Kotte auf der Bühne.

dpa

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