15 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
„Unter deutschen Betten“ – Die Ferres geht putzen

Kino „Unter deutschen Betten“ – Die Ferres geht putzen

Wenn Veronica Ferres in den Häusern der Reichen klar Schiff macht, verschließen Haustierchen besser den Käfig von innen. Jan Fehse erzählt in seiner Komödie „Unter deutschen Betten“ (Kinostart: 5. Oktober) über eine Schlagersängerin, die es unverhofft an die Putzfront verschlägt. Dabei gerät ihr schon mal der Hamster in den Staubsauger

Voriger Artikel
„Faust“ an der Staatsoper
Nächster Artikel
„Die Nile Hilton Affäre“ – Toter Popstar in Ägypten

Zwei mit Pech und Besen: Linda Lehmann (Veronica Ferres, links) und Putzhilfe Justyna (Magdalena Boczarska).

Quelle: Foto: Fox

Hannover. Vermag Erniedrigung aus schlechten Menschen bessere zu machen? An dieser Frage haben sich schon viele Regisseure und Drehbuchautoren abgearbeitet. Der neue Veronica-Ferres-Film „Unter deutschen Betten“ hat darauf eine glasreinigerklare Antwort: aber ja, natürlich! Als das zickige One-Hit-Wonder Linda (Ferres) plötzlich gezwungen ist, bei Bekannten aus besseren Tagen die Protzvillen zu putzen, wird dem gefallenen Star plötzlich klar, wie schlecht er sich selbst früher gegenüber dem „Personal“ benommen hat. Da es sich um eine Komödie handelt, wird auf grüblerische Zwischentöne weitgehend verzichtet – das Schlagersternchen geht als geläuterte Frau aus der Sache hervor.

Haustiermörderin wider Willen

Das Verblüffende ist: Trotz des durchsichtigen Plots macht der Film Spaß. Was nicht zuletzt daran liegt, dass Protagonistin Ferres sich für nichts zu schade ist. Nicht für die Szene als Teilzeitobdachlose, die nachts verschämt zum Pinkeln hinter einen Verteilerkasten am Straßenrand huscht. Nicht für den entsetzten Blick ins völlig verdreckte Toilettenbecken der Neureichen und auch nicht für die Sequenz, in der sie zur Haustiermörderin wider Willen wird – der Hamster unterm Sofa wird mal eben mit weggesaugt.

Dennoch nehmen die Putzszenen erstaunlich wenig Raum in dem 100-Minüter ein, der doch auf dem Bestseller „Unter deutschen Betten: Eine polnische Putzfrau packt aus“ basiert. Als das Buch von Justyna Polanska (Pseudonym des Autors Holger Schlageter) 2011 erschien, stürzte sich Veronica Ferres sofort ins Rennen um die Filmrechte und hatte letztlich Erfolg. Ihre Drehbuchautorin Lucy Astner hat ihr nun ein Skript auf den Leib geschrieben, in dem die Erkenntnisse über die Außen-hui-innen-pfui-Lebensweise der Reichen und Berühmten eher eine deftige Nebenrolle spielen.

Eine Putzfrauenhand wäscht die andere

Hauptsächlich geht es um das Schicksal von Linda, die ihren Produzenten und Lebenspartner Friedrich (Heiner Lauterbach, herrlich schmierig und mit irritierend viel Haar) in flagranti mit dem aufgehenden Jungstar Bibi (Anna Julia Kapfelsberger) ertappt. Es kommt zum Bruch, Linda fliegt aus der gemeinsamen Villa und steht plötzlich auf der Straße.

Außer ihrem Auto und jeder Menge Glitzerklamotten ist ihr nur der feste Wille geblieben, es trotz dramatischen Mangels an Talent und Gelegenheit wieder an die Spitze der Charts zu schaffen. Beim Versuch, ins eigene Haus einzubrechen, trifft sie auf ihre Putzfrau und bricht ihr versehentlich die Hand. Zum Ausgleich bietet sie an, so lange beim Putzen zu helfen, bis Justyna wieder gesund ist. Im Gegenzug verschafft die Putzfrau ihrer vormaligen Arbeitgeberin Zugang zum Tonstudio in der Villa.

Die verwöhnte Blondine in der WG der Geringverdiener

Dass die verwöhnte Blondine Linda („Ich habe Erfahrung, auf meiner Charitytour in Botswana habe ich mal im Kinderheim geputzt“) an der Reinigungsfront zunächst mehr schadet als nutzt, versteht sich von selbst. Trotzdem schafft sie es, sich Zutritt zu Justynas Zuhause zu verschaffen, einer WG von Geringverdienern, die allerdings so stylish aussieht wie das hipste Loft, das München zu bieten hat. Zwischen Kerzen und Kräutertöpfen sitzen dort die Mitbewohner am großen Esstisch, darunter Flüchtling Rami (Eray Egilmez), der seltsam aktzentfrei Deutsch spricht und von Haus aus Arzt ist.

Er heilt nicht nur Justynas Bruch, sondern nach und nach auch den Riss zwischen der Putzfrau und ihrer Ex-Chefin. Und noch so einiges, was hier aber nicht verraten werden soll.

Von Stefanie Gollasch / RND

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur aus der Welt 2/3