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Dschungelbuch-Hits und Techno-Rhythmen

1. Streiber-Meisterkonzert Dschungelbuch-Hits und Techno-Rhythmen

Der Klarinettist Sebastian Manz und sein Duo-Partner Martin Klett am Steinway erweckten Filmmusik-Hits im eher gemäßigt besuchten Kieler Schloss mit einer Vitalität zum Leben, dass der Funke sofort übersprang.

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Zum Finale trat auch noch überraschend Flötistin Daniela Koch auf die Bühne und steuerte ein paar schöne Töne zu dem Auftakt bei.

Quelle: Julia Wesely

Kiel. „Mal was anderes“, urteilt die Sitznachbarin anerkennend, nachdem das 1. Streiber-Meisterkonzert mit einem für den Rahmen der Konzertreihe eher untypischen Medley begonnen hat. Zu hören waren dabei unter anderem The Bare Necessities und I Wanna Be Like You, die in ihren deutschen Versionen auch hierzulande zur Popularität von Walt Disneys Verfilmung des Dschungelbuchs beigetragen haben. Zum Finale trat auch noch überraschend Flötistin Daniela Koch auf die Bühne und steuerte ein paar schöne Töne zu dem Auftakt bei.

In unterschiedlichen Besetzungen macht sich dass Trio auch im weiteren Verlauf des Abends daran, an den Grenzen zwischen E- und U-Musik zu forschen und dabei einen Bogen von Nord- nach Südamerika zu schlagen. Nachdem Manz und Klett in Joseph Horowitz’ Sonatine für Klarinette und Klavier viel filmmusikalische Emotionalität entwickelt haben, durchdringt Klett im Alleingang Heitor Villa-Lobos’ Choros 5 und paart detailliert entwickelte pianistische Melancholie mit Samba-Feeling. Für Choros Nr. 2 verwickeln sich Koch und Manz in südamerikanisch gefärbte Dialoge, die auch weiterhin den Ton angeben. Denn nun folgen drei Stücke aus Astor Piazzollas Tango-Oper Maria de Buenos Aires. Während man in Fuga y Misterio die Schärfe von Bandoneon und Geige, die in der Originalbesetzung den Ton angeben, noch vermissen mag, gelingt dem Trio im Poema Valseado eine wie improvisiert wirkende Meditation, und auch das abschließende Allegro Tangabile überzeugt, wie nicht zuletzt das rhythmische Kopfnicken im Publikum bestätigt. Kein schlechter Zwischenstand zur Pause.

In der zweiten Konzerthälfte stehen vergleichsweise unbekannte Komponisten auf dem Programm, doch auch hier haben sich Koch, Manz und Klett bewusst für zugängliche Werke entschieden. Robert Muczynskis Sonate op. 14 für Flöte und Klavier etwa zeigt sich eher am Rande widerborstig und gibt der Soloflötistin der Bamberger Sinfoniker ansonsten viel Raum zur Entfaltung ihres klangfarbenreichen Tons und ihrer blendenden Spieltechnik. Eine wild tönende Treiberei liefert sie sich dann mit Manz in Olivier Truans The Chase, in der der Soloklarinettist des Radiosinfonieorchesters Stuttgart des SWR den besonneneren Part übernimmt, während Koch die Hektik des ihren technisch meisterhaft bewältigt. In John Novaceks F our Rags For Two Jones darf Manz dann seine Jazzkompetenz unter Beweis stellen, lässt sein Instrument elegant kreischen, während Klett im Off den Stride-Spezialisten gibt. Zu Guillaume Connessons Techno-Parade hebt das Trio dann noch einmal richtig ab und animiert sein Publikum im 4-to-the-floor-Rhythmus zu entsprechendem Beifall. Nach einem augenzwinkernd präsentierten Zugaben-Medley durch die russische Klassikwelt endet ein durch und durch unterhaltsamer Start in die Meisterkonzert-Saison

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