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Vielstimmiges Literaturtreffen

13. Festival des Debütromans Vielstimmiges Literaturtreffen

Es geht um einen Tod in der Arktis, um eine von Gewalt geprägte Kindheit im Salzburger Land, um ein Mietshaus, das sich als gesellschaftlicher Mikrokosmos entpuppt, und um das Erwachsenwerden: Das sind nur einige der Geschichten, die zehn Schriftsteller aus ganz Europa vom 28. bis 31. Mai zum Festival des Debütromans im Literaturhaus mitbringen. Allesamt bisher nur in der Originalsprache erschienen.

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Niviaq Korneliussen

Quelle: Jörgen Chemnitz

Kiel. Einen echten Themenschwerpunkt haben Literaturhaus-Leiter Wolfgang Sandfuchs und Volontärin Juliana Kálnar in der 13. Ausgabe des kleinen, feinen Literaturtreffens, das längst von der Schweiz bis Norwegen und von Wales bis Polen wahrgenommen wird, nicht ausmachen können.

„Aber“, so Sandfuchs, „es gibt doch etliche Roman, die sich aus der Auseinandersetzung mit Eltern und Familie heraus entwickeln.“ Dass mehrere der Autoren einen mehr oder minder multikulturellen Hintergrund haben, ist zwar auffällig, spielt aber nicht bei allen in die Themenfindung hinein.

 So schildert Denis Michelis, Journalist französisch-deutscher Abstammung, in seinem Romanerstling La Chance que tu as (Was für ein Glück du hast) die Arbeitswelt eines jungen Kellners als klaustrophobisch kafkaeskes Universum. Die Grönländerin Niviaq Korneliussen (Jahrgang 1990) legt mit ihrem in Dänemark mit dem Literaturpreis der Tageszeitung Politiken ausgezeichneten Buch Homo Sapienne den Erzählreigen um fünf Menschen in Grönlands Hauptstadt Nuuk und ihre Suche nach Identität und Geschlechterzugehörigkeit vor. In die Arktis treibt es auch den Regensburger Manuel Niedermeier mit seinem mit dem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichneten Roman Durch frühen Morgennebel.

 Unterschiedliche Temperamente treffen in Patrick Maisanos Mezzogiorno in Gestalt zweier Familien aufeinander – die eine aus Kalabrien, die andere aus der Schweiz. Die Stadt Lemberg wird im Roman Haus mit Buntglasfenster von Zanna Sloniowska zur Folie für eine Familiengeschichte mit ukrainisch-polnischen Wurzeln. Ein Art „Anti-Heimatroman“ ist der schon mehrfach preisgekrönte Kindheitswald der Österreicherin Elke Laznia. Und auch die Italienerin Ester Armanino kommt mit einem Entwicklungsroman nach Kiel, und aus Wales kommt eine Geschichte, die den Bogen zwischen Syrien, Deutschland und Wales spannt.

 Neugierig machen auch die fantastisch angehauchte Geschichte des Niederländers Bertram Koelemanns Der Hausfreund und Gjermund Gisvolds Gjökungen (Kuckuckskind): Der Norweger macht seinen eigenbrötlerischen Helden Anton zum Katalysator im Wohnblock-Mikrokosmos.

 Auch das Centre Culturel Francais, mit dem das Festival entstand, das aber seit vergangenem Herbst ohne künstlerischen Leiter auskommen muss, ist weiterhin dabei. „Ich bin froh, dass die Patchwork-Finanzierung wieder funktioniert“, so Sandfuchs, der mit dem Literaturtreffen den grenzüberschreitenden Austausch zwischen Autoren und Verlagen befördern will und damit in den vergangenen Jahren schon einige Übersetzungsprojekte angestoßen hat. Das hat auch für die Zuhörer seinen Reiz: Die können beim Lesefest am Eröffnungsabend nicht nur den Originalklang von Französisch bis Walisisch erleben, sondern auch die jeweils zugehörige Übersetzung sowie Autoren und Lektoren im Gespräch.

 Lesefest zum Festival des Debütromans, Do, 28. Mai, 19 Uhr, Literaturhaus, Schwanenweg 13. Ebenfalls öffentlich ist die Gesprächsrunde „Reisepläne für Romane“ am Fr, 29. Mai, 19 Uhr, ebendort.

www.literaturhaus-sh.de

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Ein Artikel von
Ruth Bender
Kulturredaktion

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