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Produktive Durchmischung

15. Bunker-D-Woche in Kiel Produktive Durchmischung

Die Ausstellung „Betonpraline – Unruhe im Möglichkeitsraum“ führt die künstlerischen Positionen von Katharina Kierzek, Timo Schulz und Dominik Bednarz zusammen. Ihre Eröffnung am Donnerstag markiert den Auftakt zur 15. Bunker-D-Woche in Kiel, in der sich das schroffe Bauwerk in frischem Glanz präsentiert.

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Brückenschläge von Werk zu Werk: In den Ausstellungsräumen des Bunker D vereint, beginnen die Exponate von Katharina Kierzek, Timo Schulz und Dominik Bednarz (von links) miteinander zu reagieren.

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Kiel. Ein architektonisch wucherndes Labyrinth aus bemalten Pappen wird besiedelt von Puppenköpfen und Tierfiguren aller Art, nach Farben geordnet warten rote, blaue, grüne, gelbe Plastikteilchen in Kisten darauf, ihren Platz in dem fröhlichen Chaos zu finden. Dazwischen hängen ein Skelett aus Pappe und eine Skulptur aus bunten Bleistiften neben quietschbunten Glitzertrophäen. Nebenan schweben Fantasiewesen an dünnen Fäden im Raum, kinetische Objekte aus Holz oder Pappe bringen unverhofft Bewegung ins Spiel und irgendwo bellt ein Kamm. Da muss man erst einmal durchatmen.

 Betonpraline – Unruhe im Möglichkeitsraum heißt die wunderbare Ausstellung, mit der Katharina Kierzek, Timo Schulz und Dominik Bednarz den Bunker D der Fachhochschule Kiel rocken. Da haben sich ganz offensichtlich Drei gesucht und gefunden. „Unsere verschiedenen künstlerischen Positionen lösen sich auf und reagieren miteinander“, so Kierzek. Die Berlinerin, die in Kiel den Atelierladen „Wirklich“ betreibt, hat ihre stattliche Sammlung kurioser Kleinigkeiten mitgebracht, mit der sie ihre schwarzweiß gehaltene Rauminstallation aus Karton und Pappe bestückt. „Hereinspaziert ihr Pappnasen!“ begrüßt gewohnt flapsig – und typisch Kierzek – per Sprechblase ein kulleräugiger Typ den Besucher dieses Paralleluniversums, das mit Fratzen und Figuren im Comic-Stil bemalt ist. Mitten in diesem Gewusel aus Linien, Augen und schematisch gehaltenen Gesichtern liegt ein Koffer. Öffnet man ihn, fällt der Blick auf ein Paar ausgelatsche Pantoffeln, die wie von Geisterhand gelenkt auf der Stelle treten. „Bei mir muss sich immer etwas bewegen“, sagt Dominik Bednarz. „Meine Begeisterung ist immer dann geweckt, wenn ich Leben in die Dinge bringen kann.“ Zum Beispiel, wenn ein Kamm einem geheimnisvollen physikalischen Gesetz folgend in Bewegung gerät und bellende Laute von sich gibt. Oder wenn ein hölzerner Apparat mit Lupe auf die Anwesenheit des Besuchers reagiert, indem er unterschiedliche Bilder an die Wand projiziert. Man muss nicht unbedingt verstehen, wie der Künstler aus Berlin, der auch noch ein paar höchst ungewöhnliche Panoramafotos mitgebracht hat, diese Kunst-Stücke vollbracht hat. Es genügt völlig, sich daran zu erfreuen.

 Das gilt auch für die ungeheuerlichen Tierwesen von Timo Schulz, die aus allerlei Fundstücken zusammengebastelt sind. „Ich finde ein Stück Müll und das gibt den Impuls für ein Objekt“, erklärt der Kieler Künstler die seltsamen Bausteine, die man an seinen Figuren entdeckt. Unter anderem Brillenbügel und Plastikkämme sind zu einem stattlichen Hummer verarbeitet, an filigranen Flugtieren sieht man Krähenfüße, Schrauben oder Glitzersteine blitzen. Für diese drei Künstler ist offenbar nichts unmöglich und das ist schlichtweg großartig.

 Die Eröffnung der Ausstellung markiert den Auftakt zur 15. Bunker-D-Woche, in der das schroffe Bauwerk sich barrierefrei und mit neuem Eingangsbereich in frischem Glanz präsentiert. Das Programm der bunten Veranstaltungswoche reicht vom Bunkerquiz über Live-Jazzmusik beim Brunch im Bunkercafé und dem „Konzert im Kreis“ am Sonntag bis zum Gastspiel der Hamburger Lesebühne und dem Konzerttag mit Rap aus Berlin und Elektropunk aus Kiel. Mit dem Bunker-Day am 22. Oktober, bei dem ab 19 Uhr im Bunkerkino der Animationsfilm Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman gezeigt wird, endet die Woche.

 Ausstellungseröffnung am Donnerstag um 18 Uhr. Bis 12. November (Finissage). Geöffnet mittwochs 10-20 Uhr und nach Vereinbarung unter bunker-d@fh-kiel.de. Weitere Informationen zum Programm unter www.fh-kiel.de 

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