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Ein Schritt zurück und zwei vor

Nordland-Kammermusikkurs Ein Schritt zurück und zwei vor

Auf den ersten Blick scheint das neue Jahr im Rendsburger Nordkolleg noch nicht so richtig angefangen zu haben. Tatsächlich aber läuft der Betrieb hier bereits auf Hochtouren und hinter vielen Türen erklingt Musik.

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Übung im Ensemblespiel: Ulf Tischbirek leitet ein Sextett beim Nordland-Kammermusikkurs.

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Rendsburg. Für 40 junge Musiker aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen beginnt das Jahr mit dem 15. Nordland-Kammermusikkurs, den der Landesmusikrat Schleswig-Holstein zusammen mit seinem Pendant in Mecklenburg-Vorpommern und dem Hamburger-Jugend-Musiziert-Landesausschuss einmal jährlich veranstaltet. Im Vorfeld des nächsten Jugend-Musiziert-Regionalwettbewerbs bereiten sich hier viele Ensembles und Solisten auf die Ausscheidung vor. Andere Teilnehmer wollen einfach nur Erfahrungen in einer Disziplin sammeln, die sie im klassischen Alltag eher selten erproben können.

 Dabei geht es keineswegs nur um Kleinstformate. In der Ensembleklasse von Ulf Tischbirek steht beispielsweise gerade Felix Mendelssohn Bartholdys Sextett op. 110 in entsprechender Besetzungsstärke auf dem Programm. Der Lübecker Cello-Professor und künstlerische Leiter des Nordland-Kurses hat das Werk nicht zuletzt deshalb ausgesucht, weil der Komponist es als 15-jähriger schuf und damit in etwa den Mittelwert der Kursteilnehmer markiert, die zwischen 13 und 19 Jahren alt sind. Aber dies ist natürlich nur eine Notiz am Rande, im Fokus steht hier erst einmal die Basisarbeit: „Es muss den anderen immer deutlich sein, wo du gerade bist“, empfiehlt Tischbirek etwa Bratschistin Josefine Schäfer, nachdem ein paar Takte des Sextetts verklungen sind. Das klingt selbstverständlich, ist es aber in diesem Kontext keinesfalls. Denn im Normalfall übt ein junger Musiker entweder im stillen Kämmerlein, wo er selbst den Ton angibt, oder im Orchester, wo dies der Dirigent tut. In der Kammermusik gilt weder das eine noch das andere. Stattdessen müssen die Musizierenden hier eine tönende Gesprächsrunde bilden, in der jeder den steten Kontakt zu allen anderen sucht.

 Was gar nicht so leicht ist, wenn Mendelssohn von Pianistin Che Rin Na zeitgleich hochvirtuose Passagen fordert: „Gerade die Piansten können hier unglaublich viel lernen, weil sie ja sonst meist Einzelkämpfer sind“, konstatiert Tischbirek, der gerne noch ein bisschen am Feintuning arbeiten möchte, als Che Rin Na auf die Uhr schaut. Schon steht der nächste Übungsblock mit Klavier-Professorin Konstanze Eickhorst an. „Was spielt ihr denn da?“, fragt der Lehrer. „Das Brahms-Horntrio“, lautet die Antwort. „Na, da haben deine Mitmusiker so viel zu tun, dass du ruhig noch ein bisschen hierbleiben kannst“, stellt Tischbirek lachend fest.

 Tatsächlich ist das Verhältnis der Dozenten im Nordkolleg zu ihren Eleven genauso entspannt wie das ihrer Schüler untereinander, die hier mitunter sockfuß oder in Hausschuhen spielen. „Wenn man sich als junger Mensch mit klassischer Musik beschäftigt, gilt man heute leicht als Außenseiter“, konstatiert Tischbirek. „Der Kurs bietet den Teilnehmern daher auch die Gelegenheit, Gleichgesinnte zu finden und mit ihnen in Balance zu musizieren.“

 Und manchmal klappt das sogar so gut, dass zu viel Balance entsteht. In der Lounge des Nordkollegs proben die Harfenistin Swantje Wittenhagen und die Klarinettistin Jade Lehmann die Kammermusikversion von Franz Schuberts Zauberharfe. Dozentin Angela Firkins hört zu, nickt und hat für die Klarinettistin dann aber doch einen Rat: „Nimm deinen Part ruhig noch mehr in die Hand. Es ist gut, dass du der Harfe zuhörst. Aber du darfst es dir nicht nehmen lassen, dass du hier die Solistin bist!“ Ein Schritt zurück und zwei nach vorne: Auch das lernt man in der Kammermusik.

 Abschlusskonzert des Nordland-Kammermusikkurses am Freitag, 8. Januar, um 16 Uhr im Pavillon des Rendsburger Nordkollegs (Eintritt frei)

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