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Gestandenes, Graziles, Geheimnisvolles

16. Skulpturenschau in Bissee: Gestandenes, Graziles, Geheimnisvolles

Ob Flieder, Weißdorn oder Kastanie: Die Bäume geben wieder alles. Ein duftendes Blütenmeer hängt über den Gärten von Bissee, die derzeit besonders akkurat bestellt sind. Zur Eröffnung der 16. Skulpturenschau haben die Bewohner das Dorf wie immer herausgeputzt, um so den Werken der insgesamt 14 ausstellenden Künstler ein würdiges Ambiente zu schaffen.

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Kent Holms „Bronze Axt“ weist gleich am Ortseingang den Weg in die Skulpturenschau.

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Bissee. Gestandenes, Graziles und Geheimnisvolles hat in Vorgärten und auf Bürgersteigen Platz gefunden, eine bunte Mischung aus Materialien und künstlerischen Handschriften. Eine thematische Spange gibt es nicht. „Das können wir als Ehrenamtliche nicht leisten“, so Karin Russ vom Verein „Skulptur in Bissee“. Auch wenn manche Bewohner sich bisweilen durch allzu neugierige Besucher gestört fühlen, ist die Akzeptanz der Schau im Ort groß. Und viele helfen mit. Brigitta Irmer etwa ist während des Aufbaus der Kunstwerke „das Hotel“ und freut sich über „die interessanten Gespräche mit den Künstlern beim Frühstück.“ In diesem Jahr hat sie unter anderem Joseph Salomon beherbergt, einen von fünf Teilnehmern aus Dänemark. „Ich habe ihn gefragt, wo denn seine Arbeit sei, denn er hatte nur bunte Holzstäbe dabei.“ Nicht schlecht gestaunt hat sie dann, als der 85-Jährige die farbigen Hölzer zu filigranen Pyramiden zusammenfügte, die nun auf einer grünen Anhöhe Richtung Brügge auf die Kunstdichte im Dorfkern einstimmen.

 Unübersehbar ist auch die „Bronze Axt“, die Kent Holm hinter dem Ortsschild ein wenig windschief an die Straße gestellt hat. Die Skulptur aus Bronze und Granit weist quasi den Weg zum Antikhof, in dessen unmittelbarer Umgebung sich gleich mehrere Arbeiten befinden. Geweißte Äste hat Arno Neufeld wie kryptische Schriftzeichen auf einem Reetdach ausgelegt, darunter schwingen zarte Wesen aus Weide, Pferdehaar und Fangnetzen in den Bäumen. Fluchtbräute nennt Birgitt Shola Starp die fragilen Figuren, die aussehen wie erhängt, ertrunken und vergessen – eine mahnende Erinnerung an viele Flüchtlingsschicksale.

 Einen prominenten Platz hat die metallisch schimmernde Laokoon Säule von Volkmar Haase bekommen. Der Berliner Bildhauer (1930-2012), dessen Arbeiten unter anderem im New Yorker Museum of Modern Art zu sehen sind, ist als diesjähriger Hauptkünstler mit fünf Arbeiten vertreten, darunter die kühn geschwungene Woge, den Wolken nah, die vor einem Rapsfeld am Ende des Dorfes in den Himmel ragt. „Wie in allen Jahren wird das Lebenswerk eines Künstlers in den Mittelpunkt gestellt“, so Karin Russ. „Gleichzeitig geben wir dem Nachwuchs Raum, so dass Alt und Jung in der Schau vertreten sind.“ Für letztere stehen Schüler der Profilklasse Kunst der Immanuel-Kant-Schule Neumünster. Auf bunten Stelen inmitten eines blühenden Vorgartens präsentieren sie dralle Figuren im Stile von Niki de Saint Phalle.

 Und so ist der künstlerische Bogen weit gespannt. Die Zustände des Materials lotet Ib Rasmussen aus, der seine steinerne Balance auf dem Bürgersteig den tastenden Händen der Besucher ausliefert. Geschützt durch einen Gartenzaun lassen Isabel Langes Fräulein Lee und Fräulein Luv die eisernen Röcke wehen, zerbrechlich geben sich die bunt bemalten Glasstelen von Jörgen Habedank.

 Zum Schmunzeln gibt es auch etwas. Zwischen sprießendem Gemüse unter einem blühenden Apfelbaum wuselt eine weiße Hühnerschar aus Epoxit und Drahtgeflecht um eine Glucke, die auf einem roten Stuhl hockt, erhaben wie auf einem Thron. Psst – ich brüte nennt Christin Karbaum ihre idyllische Installation, die durch ein lustiges Detail abgerundet wird: Auf dem Stuhl neben der königlich brütenden Henne liegt ein Spiegelei.

  Eröffnung am Sonnabend, 16 Uhr, auf dem Hof Reese.

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Skulpturenausstellung Bissee
Foto: Die Zuschauer in Bissee waren sich darin einig, dass das Dorf mit den Skulpturen ein Gesamt-Kunstwerk abgab.

Unterschiedlicher konnten die Redner auf der Vernissage der 19. Skulpturenausstellung am Sonnabend in Bissee nicht sein. Und dennoch warben beide bei mehreren Hundert Besuchern auf Hof Reese für entschleunigtes Verhalten.

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