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Wie das gis bei Wonder wirkt

Sommerjazz-Workshop im Nordkolleg Rendsburg Wie das gis bei Wonder wirkt

Es sind manchmal die kleinen Farbnuancen, die Musik interessant machen. Rainer Schnelle, Jazzpianist und -komponist mit Dozentur für Popularmusik an der Hamburger Musikhochschule, gibt den kleinen, aber feinen Hinweis: „Nehmt doch noch mal einen Blues-Ton mit rein, zwischen d und a das gis aus der parallelen Molltonart.“

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Kreative Runde: Saxofonistin Christine Petersen mit Kende Kabuß und Stefan Drews an den Tasteninstrumenten, Erik Andresen am Bass und Schlagzeuger Jacob Hansen. Dazwischen lauscht Dozent Rainer Schnelle.

Quelle: bos: Björn Schaller

Rendsburg. Christine Petersen am Saxofon, Stefan Drews am Klavier, Erik Andresen am E-Bass und Kende Kabuß am Akkordeon bauen den Ton prompt in die Melodiedurchgänge mit ein und ernten in Stevie Wonders Song Isn’t She Lovely das gewisse Etwas. Schlagzeuger Jacob Hansen hat diese Chance naturgemäß nicht, wird aber nebenbei feinmotorisch von Dozent Markus Zell gecoached.

 Mit Schnelle bastelt das Quintett am rhythmischen und harmonischen Gefüge eines Klassikers, den die jungen Musiker selber nicht mehr als Standard im Ohr haben, sich aber spürbar für ihn begeistern. „Das ist die Königsdisziplin des sogenannten Head Arrangements“, erläutert Arvid Maltzahn die Combo-Arbeit beim 20. Sommerjazz-Workshop des Landesmusikrates in den tollen neuen Untergeschossräumen vor dem Nordkolleg. „Dabei einigt sich das kleine Jazzensemble ausschließlich entlang des ,Lead sheat’, also des melodischen und harmonischen Gerüsts, auf den Ablauf der Soli und Kombinationen. Das ist schon eine völlig andere Herausforderung, als in einer Schul-Bigband, wo jeder in einem fertigen Arrangement seinen Part abspielt.“

 Während Schnelle weiter mit den Teilnehmern darüber nachsinnt, ob im inzwischen „erspielten“ Gerüst, noch ein Tempowechsel in Half-Time oder Swing zusätzliche oder doch schon zu viele Reize setzt, verweist Maltzahn auf die zwei Jahrzehnte erfolgreiche Nachwuchsarbeit des Kurses: „Sommerjazz ist außerdem eine wichtige Kontaktbörse geworden.“ Ansonsten bewährt sich das Schulungskonzept, das nach Erfahrung Änderungen erlebe. Zum Beispiel sind die Combo-Proben jetzt meist vormittags, damit am Nachmittag die aufgetretenen Probleme im Einzelunterricht bei Dozenten wie Stefan Kuchel und Jens Tolksdorf für die Holzbläser, Heiko Quistorf für Trompete oder Sebastian Hoffmann für Posaune angegangen werden können. Die dänische Sängerin Johanna Løhde Nielsen kümmert sich neuerdings um den Bereich Gesang. Alle tummeln sich, parallel zum SHMF-Orchester – im Nordkolleg und der angrenzenden Genossenschaftsakademie, erhalten Harmonielehre, Techniktraining, Tipps zum möglichen Studium und wichtige Einblicke in die Jazzgeschichte – Stevie Wonder inklusive.

 Nebenan im Raum „U2“ ackert sich der Gitarren-Profi Rasmus Nissen mit Yasar Kan (Tenorsaxofon), Levin Wittorf (Klavier) Yanayra Ortega M. (E-Gitarre), Otis Sander (Kontrabass) und Josef Dethleffsen (Schlagzeug) durch Summer Running des amerikanischen Jazz-Bassisten, -Komponisten und Bandleaders Marc Johnson. Was mit ihm 1997 Größen wie Bill Frisell, Pat Metheny und Joey Baron in New York City einspielten, groovt sich mal nicht so eben weg. Nissen erinnert an die segensreich ordnende Erfindung eines Metronoms und empfiehlt ansonsten: „Wenn ihr die Tendenz spürt, zu langsam zu werden, müsst ihr das Gefühl entwickeln, zu schnell zu sein. Dann stimmt’s!“ Auch stellt sich schließlich die Frage: Wie steigt man aus der Endlosschleife des Stücks aus? „Repeat an fade“ empfiehlt die Partitur dazu – wiederholen und ausblenden. Nissen hat noch einen Tipp fürs Saxofon: „Einfach wild drübernudeln über den Schluss! Dann ist eh alles klar.“

  Der Sommerjazz-Kurs endet am Sonntag, 31. Juli, mit einem öffentlichen „Festival“ (14 bis 18 Uhr) im Raum U1 des Nordkollegs.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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