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Musikalische Erfahrungen

25. Festspiele Mecklenburg-Vorpommern Musikalische Erfahrungen

Intendant Markus Fein spricht von einem „Festival der Entdeckungen“. Tatsächlich gab es gleich zum Auftakt der 25. Festspiele Mecklenburg Vorpommern viel zu entdecken. Und ganz Unterschiedliches – eben nicht nur im klassischen Konzertsaal, sondern auch auf einer musikalischen Fahrradtour.

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Schwungvoller Auftakt auf dem Schweriner Marktplatz mit radelnden Musikern von ’t Brabants Fietsharmonisch Orkest.

Quelle: Festival Mecklenburg-Vorpommern

Neubrandenburg/Schwerin. Fahrradfahren und dabei Musik machen, das können wohl nur die sechs fröhlichen Musiker von ’t Brabants Fietsharmonisch Orkest. Sie bringen die 1500 Teilnehmer des Fahrradkonzertes auf dem Schweriner Marktplatz auf den Weg, musikalische Erfahrungen zu sammeln: Im Eisenbahnmuseum beispielsweise (hinterm Hauptbahnhof gar nicht so leicht zu finden) spielt das Vision String Quartett vis-à-vis einer Dampflok. Auf dem Bio-Hof Medewege hat der Wiener Klarinettist und Festspiel-Preisträger Matthias Schorn mit seinem Ensemble Faltenradio Klassik populär verpackt und vermengt gekonnt „Hummelflug“ und Walzertakt. Wer so gut eingestimmt und bei Kräften ist – und das sind nicht wenige! –, der lässt sich von German Brass oder auch von der Stargeigerin Baiba Skride und dem nicht minder bekannten Bratschisten Nils Mönkemeyer durch die herrliche Feld-, Wald und Seenlandschaft zum zehn Kilometer entfernten Schloss Wiligrad locken: Brahms-Streichquintett mit Panoramablick im Schloss, Wagners „Pilgerchor“ für zehn Blechbläser im idyllischen Park – Musik vom Feinsten, witzig moderiert, mit spürbarer Spiellaune aufgeführt und mit hörbarer Begeisterung angenommen.

 Es gibt so viel zu erfahren – ein gutes Dutzend Stationen bietet die musikalische Fahrradrallye an diesem Tag. Da setzt man sich schon mal mit Helm ins Konzert und packt zwischendurch die Stulle aus... Ganz bunt ist die Zuhörerschaft, klassisches Stammpublikum des Festspiele, sportliche Gelegenheitshörer oder auch musikalisch unbeleckte junge Familien, aus der Nähe (ein Drittel aus Schwerin) und von weiter her. Beste Chancen für Markus Fein, neue Menschen für Musik zu begeistern. Zum großen Open-Air Finale dient die schwimmende Wiese vor dem Schweriner Schlosspanorama auch als großer Fahrradabstellplatz. Und Posaunist Nils Landgren kann vor seinem Auftritt mit der NDR-Bigband gar nicht glauben, dass wirklich so viele Leute mit dem Radl da sind. Obwohl er zur Jazz Baltica in Niendorf bekanntermaßen auch gern in die Pedale steigt.

 Am Ende des Tages haben die Konzertradler ganz unterschiedliche Tagesleistungen hinter sich gebracht: 30 Überlandkilometer und weniger Musik, vielleicht aber dazwischen um so mehr Melodien im Kopf und auf den Lippen, oder auch nur sechs Innenstadtkilometer mit vielfältigsten musikalischen Eindrücken aus dem Strandpavillon, vom Ausflugsdampfer oder auch aus dem Kunst- und Wasserwerk. Markus Fein, der einst bei den Sommerlichen Musiktagen in Hitzacker den Festival-Walk etablierte, freut sich, dass das Publikum die aufwendig bestückte „Pralinenschachtel“ zum Festspieljubiläum so begeistert angenommen hat – das Experiment ist geglückt und soll wiederholt werden.

 Der Intendant geht mit großen Elan in seine zweite Saison. Der Vorverkauf übertrifft bereits jetzt den Vorjahreswert um 14 Prozent. Und 2014 war auch im Nordosten ein Rekordjahr. Fein setzt auf Neugier und neue Vermittlungsformen. So ist er gespannt, wie in diesem Jahr etwa der „Pavillon Zukunft“ angenommen wird, der sich in vorpommerschen Landsdorf auch mit dem Konzertleben 2050 beschäftigt. Auf der anderen Seite pflegt er ausdrücklich „die Verbundenheit mit diesem wunderbaren Land“. Das war auch beim Eröffnungskonzert mit der NDR-Radiophilharmonie unter Andrew Manze in der Neubrandenburger Konzertkirche so: Vor dem furiosen Auftritt der moldawischen Geigerin Patricia Kopatchinskaja in Tschaikowskys Violinkonzert waren 14 junge Musiker des Posaunenwerks Mecklenburg-Vorpommern an der Uraufführung der „Festspiel-Ouvertüre“ für Blechbläser des Kirchenmusikers Jörg Duda beteiligt. Auch die neue Reihe „Unerhörte Orte“ stellt die Verbundenheit mit jenem Land heraus, mit dem die Festspiele 2015 „Silberne Hochzeit“ feiern. Und den Willen zu neuen Entdeckungen auch an kleinen, unspektakulären Orten.

 Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, 124 Veranstaltungen an 78 Spielstätten bis zum 19. September. Große Namen wie Anne Sophie Mutter Christoph Eschenbach, Kent Nagano, Daniel Hope oder Klaus Maria Brandauer, Karten/Programm: www.festspiele-mv.de, Tel. 0385-5918585.

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

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