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A-cappella im ausverkauften Audimax

26. Party A-cappella im ausverkauften Audimax

Je nach dem wie man rechnet, gibt es die A-cappella-Party im Audimax seit 25 Jahren. Da aber die erste 1990 stattfand, ist es nun die 26. im an zwei Abenden wie ehedem ausverkauften Audimax. Bei der üben die Gründerväter Take Four schon mal für ihr 30. Bühnenjubiläum 2016 mit einem Best of.

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Quelle: Michael Kaniecki

Kiel. Multiple Voice verabschieden dagegen nach zehn Jahren ihren Tenor. Erneutes Willkommen also, das aus manchem Abschied folgt, denn am Ende auch dieser Party klingeln die „Jingle Bells“ schon für die nächste.

Neben seiner Stimme in der „close harmony“ des Barber-Shop-Gesangs ist Take Fours Lead-Tenor Thomas Schröder bekannt für seine gewitzten Zahlenspiele. Im Opener zum Nikolausabend rechnet er nach, dass Santa Claus das unmöglich schaffen kann, was der A-cappella-Party erneut gelingt: Nämlich rund 89 Millionen Kinder in – Erddrehung eingerechnet – zwei Tagen zu beglücken, was allenfalls eine tausendstel Sekunde pro Familie bedeutete. Doch bevor Santa und sein Schlitten, auf dem Kiels dienstälteste A-cappellisten zum Abschluss ins Audimax gleiten, unbedingt verglüht sein müssten, ließen sich 2400 Zuhörer von einem Feuerwerk der Stimmkunst „nur mit dem Mund“ begeistern.

Erinnerung an die Comedian Harmonists 

In einer Zeit, in der Millionen sich nach Europa aufmachen, ihre Not gegen „Ein kleines bisschen Glück“ einzutauschen, darf auch Gesang nicht schweigen. Das Quartett Komplett erinnert nach einem humorvollen „Kriminal-Tango“ inklusive bejubeltem Sprung in der Schellackplatte an die Comedian Harmonists. Drei derer Sänger mussten in den 30er Jahren aus Deutschland fliehen, weil sie Juden waren – Verpflichtung heute, Flüchtlinge gerade mit diesem Abschiedslied hier willkommen zu heißen.
 
Auch Pentatonics Ballade „Run To You“ greift dieses Thema auf. Das Oktett inTakt glänzt damit in leisen Tönen, kann aber auch die poppigen mit einem Boney-M-Medley und dem „Uptown Funk“, in dem Kiel ein bisschen zu New York wird. Dass hier wie dort dauernd die Hotlines jingle-bellen, selbst zwecks Beziehungsvertragskündigung, wissen mit Annett Louisans „Drück die 1“ gleich zwei Bands: Quartettrapack und TonArt. Erstere kreisen mit dem „Spargelstecher-Song“ um die Willkommenswirrnisse von Wanderarbeitern, letztere in einem bezaubernden Balladensatz um den Abschied, nach dem „Ich ohne dich“ bin.

just4people nur zu dritt

Bei solchen Abschieden, von denen man nicht weiß, wann es ein Wiedersehen gibt, gilt es, das „broken“ „Hallelujah“ von Leonard Cohen anzustimmen. Unter Tränen in manchem Knopfloch singen das Multiple Voice in gewohnter Stimmpräzision ihrem scheidenden Tenor Olaf Petersen nach. just4people mussten sich für diesen Abend von ihrem erkrankten Bass verabschieden. Dass sie sich auch im Trio auf die Bühne wagen, spontan unterstützt von Take-Four-Bass Patrick Scharnewski, zeigt ihre Gesangskunst. Und dass man letztere mit modernen Mikrofonmitteln nicht minder mutig aufpeppen kann, beweisen die fulminanten Boy Groups „nur wir“ und EMMA. Sie heißen den Pop willkommen, ohne Abschied vom vier- bis fünfstimmig polyphonen Gesang zu nehmen.
 
Apropos Pop: „Applaus, Applaus“ von den Sportfreunden Stiller ist Art de Chor sicher, die sich ebenso mit den Wise Guys humorig ins „Sägewerk Bad Segeberg“ begeben. Nur noch drei Finger hat die Hand dort, rund 40 Stimmen die Chor-Kunst von Hello Music, die ihre neue Leiterin Barbara Rupp mit „Sweet, Soft And Lazy“ willkommen heißen. Im 25. Jahr tänzelt Till Kindschus Jazzica den Rhythmus vor, bei dem nicht nur jede Frau mit muss – etwa bei „Happy“, das die vom Jazz- zum Pop-Chor Gewandelten ganz in poppiges Pink gekleidet präsentieren. Konkurrenz, welche die Kieler A-cappella befeuert, erwächst den Damen dabei allenfalls von DeKiela Sunrise. Ihr Name ist Programm, und so heißen wir mit ihnen zum Sunset am Nikolausabend die singende Sonne willkommen, die unter anderem mit einem Neue-Deutsche-Welle-Medley stimmstrahlend wieder aufgeht.

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Foto: Maybebob beigeisterten im Kieler Schloss ihr Publikum und zeigten die Vielseitigkeit von A capella.

„Das darf man nicht“ heißt provokant das neue Album, mit dem das A cappella-Quartett Maybebop am Freitag ins fast ausverkaufte Schloss kam. Doch bei dem bejubelten Konzert ging es nicht darum, was A cappella nicht darf, sondern was sie alles kann und damit auch soll – in Dur wie in Moll.

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