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Der synchron bauchredende Standup-Impro-Slam

3. Komische Nacht Der synchron bauchredende Standup-Impro-Slam

Fünf Comedians, die an einem Abend jeweils für 25 Minuten in vier verschiedenen Locations auftreten, das ist das Konzept der Komischen Nacht. In Kiel gab es diese Veranstaltung bereits zum dritten Mal, neben der Pumpe, dem Pogue Mahone und dem Mango`s war auch die ausverkaufte Fabrik am Germaniahafen dabei.

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Daniel Reinsberg war einer der Teilnehmer der 3. Komischen Nacht in Kiel

Quelle: Kai-Peter Boysen

Kiel. Um sieben Uhr ist das Restaurant schon sehr gut gefüllt, man isst, trinkt und plaudert. Sven Stickling wird in der Fabrik starten, Kollege Marcel Mann wird folgen. Zwischen den Auftritten ist 20 Minuten Pause. Ihm gefalle das Format, erzählt Marcel Mann, er könne, da er viermal kurz hintereinander an verschiedenen Orten spiele, weniger Gelungenes gleich darauf korrigieren und Neues probieren.

Es wird sich im Laufe des Abends zeigen, dass der Comedy-Mix gut gelungen ist. Sven Sticklings Show beispielsweise ist eine Mischung aus Improvisationstheater und wortgewandtem Poetry-Slam.  Sowohl sein schnell konstruierter und mit Publikumswunschsätzen angereicherter Krimi mit Heide Simonis in der Hauptrolle als auch seine wortspielreiche Adaption von Romeo und Julia als Liebesgeschichte zwischen einer Milchschnitte und einem Eis mit Stiel kommen gut beim Publikum an.

Stickling wird per Taxi in die nächste Location chauffiert, Marcel Mann wechselt noch ein paar Worte mit dem gerade eintreffenden Roberto Capitoni, dann ist Bühnenzeit für das Nachwuchstalent aus Berlin. Mann ist seit acht Jahren Synchronsprecher, sein Auftritt lebt von amüsanten Erzählungen aus dem Berufsalltag und Kostproben seines Könnens. Die ganz klare Linie fehlt dem Comedy-Neuling noch, aber sein aufgesetzt emotionales „Das wird mein letztes Jahr auf der High-School und es soll der Sommer meines Lebens werden“ ist live ein absoluter Brüller.

Dann folgt mit Roberto Capitoni ein alter Hase der Standup-Comedy. Seit 33 Jahren steht der Deutsch-Italiener auf der Bühne und spielt geschickt mit den daraus resultierenden Klischees. Erst der Wink mit einem Bausparvertrag habe ihn, den Schwaben, aus der „Mamma“ gelockt, erzählt er. Wichtige Figur im Programm des hochtalentierten Mimikers und Stimmakrobaten ist sein mafiöser Onkel Luigi („Sieht aus wie Pavarotti – nur in dick“), der „Rroberrto“ mit sehr heiserer Stimme Ratschläge erteilt.  Aber auch das Zusammenziehen („Zwei Wohnungen werden zu einer – ihrer“) und selige Erinnerungen an die Audiokassette inklusive Klangbeispiel eines falsch herum geklebten Tapes sind satt belachte Elemente seines 25-Minuten-Blocks.

Danach wird`s magisch, denn der nächste Gast ist Zauberer. Christopher Köhler spielt schön mit den Erwartungen an etwaige Wunder und lässt solche Träume gern zerplatzen. Zauberkunststücke hat der Kölner bei seinem interaktiven Auftritt natürlich trotzdem parat und verblüfft mit einer nicht enden wollenden Papierschlange aus seinem Mund.

Daniel Reinsberg hat es nach drei Stunden Unterhaltungsprogramm nicht ganz leicht, die letzten Reserven des Publikums zu mobilisieren, aber spätestens als der Bauchredner seinen Waschlappen „Tarzan“ ins Spiel bringt, hat er die Lacher auf seiner Seite und verwandelt abschließend als Soul-Priester die Fabrik zu „Oh, Happy Day“ in eine Gospel-Kirche. Fazit: Dreieinhalb komische Stunden mit Zeit zum Plaudern und Nachbestellen.

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