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Feiern mit Eschenbach

30 Jahre Orchesterakademie des SHMF Feiern mit Eschenbach

Das Schleswig-Holstein Musik Festival weiß Geburtstage zu feiern, das war dieses Jahr zum 30. klangvoll zu erleben. Im kommenden Jahr gibt es neuen Anlass: Vor 30 Jahren, im Sommer 1987, rief Leonard Bernstein auf: „Lets make music and friends“ und leitete auf Gut Salzau die erste internationale Orchesterakademie im SHMF – Herzstück und Erfolgsmodell bis heute.

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Christoph Eschenbach ist als „Principal Conductor“ des SHMF 2017 in Büdelsdorf präsenter denn je.

Quelle: Axel Nickolaus

Lübeck. Nachdem Bernstein und der ebenfalls legendäre Sergiu Celibidache in der Salzauer Konzertscheune das Fundament gelegt hatten, lud Gründungsintendant Justus Frantz bereits im Folgejahr auch seinen Freund Christoph Eschenbach dazu ein, eine Probenphase mit den internationalen Musik-Stipendiaten zu leiten. Eschenbach blieb dem Festival über drei Jahrzehnte treu – mal mehr, mal weniger involviert und seit 2004 als „Principal Conductor“. Im Geburtstagsjahr scheint Eschenbach allgegenwärtig: Drei Probenphasen wird er im kommenden Sommer leiten – mit einem Orchester, das erst ab Dezember in aller Welt völlig neu zusammengestellt wird. Die Ausschreibung wurde gestern im Netz freigeschaltet.

 Jetzt sind Bewerbungen für Vorspiele in 28 Städten weltweit, von Amsterdam über Houston, Moskau und Seoul bis Zaragoza möglich. Die rund 130 besten Musiker, maximal 26 Jahre alt, werden vom 1. Juli bis 27. August 2017 in der Büdelsdorfer ACO Thormannhalle proben. Eschenbach (76), das macht er immer wieder und seit einiger Zeit auch lebhaft via Facebook deutlich, sieht’s als Herzensangelegenheit und pädagogische Herausforderung: „Das Festivalorchester ist wirklich ein Quell der Freude. Es ist faszinierend, innerhalb von wenigen Tagen die verschiedenen Nationalitäten, Mentalitäten und Temperamente durch die Musik zusammenwachsen zu sehen.“

 Die Herausforderungen des Geburtstagsjahres, der 31. Orchesterakademie-, zugleich der mittlerweile siebten Saison in Büdelsdorf, sind beträchtlich: Für das große Festkonzert studieren die jungen Musiker in der dritten Probenphase Olivier Messiaens monumentale, 1949 in Boston unter Leitung von Leonard Bernstein uraufgeführte Turangalîla-Sinfonie ein. Das zehnsätzige Werk wurde für großes Orchester, Klavier und Ondes Martenot, ein elektronisches Tasteninstrument, komponiert. Als „groß angelegter Liebesgesang, als klingendes Spiel von Leben und Tod“ hat John Neumeier es in diesem Jahr auch für die Hamburger Ballettbühne choreografiert. In seiner ersten Probenphase beschäftigt sich Eschenbach unter anderem mit Brahms’ 3. Sinfonie. Im zweiten Projekt steht der berühmte Bolero von Maurice Ravel im Mittelpunkt, dem 2017 auch die Komponisten-Retrospektive gewidmet ist.

 Der Bolero stand 1988 erstmals auf dem Probenplan der Orchesterakademie. Seitdem wirkten hier Dirigentenstars wie Georg Solti, Lorin Maazel, Mstislaw Rostropowitsch oder Yehudi Menuhin, aber auch Semyon Bychkov, Valery Gergiev oder Esa-Pekka Salonen.

 Für den Generationswechsel am Pult steht Michael Sanderling (49), der 2017 zum dritten Mal seit 2014 eine Probenphase leiten wird. Der geschätzte Pädagoge, der seinen Einstand in Salzau bereits 1996 als Solocellist unter seinem Vater Kurt Sanderling hatte, wird in Büdelsdorf u.a. Auszüge aus Prokofiews Suite Romeo und Julia einstudieren. Als dritter Dirigent im Bunde will mit dem Niederländer Ton Koopman (72) eine bereits in diesem Sommer mit seinem Amsterdam Baroque Orchestra und Choir im Kieler Schloss gefeierte Koryphäe der historischen Aufführungspraxis genau diese etwa bei Mozarts Jupiter-Sinfonie vermitteln. Eine spannende Vorlage für das 32. Festivaljahr.

  www.shmf.de

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

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