3 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Hineingelauscht in „Jugend musiziert“

54. Regionalwettbewerb Hineingelauscht in „Jugend musiziert“

Rund 130 junge Musiker zwischen zehn und 20 Jahren an Klavier, Harfe, Gesang, Drum-Set (Pop), Akkordeon-Kammermusik sowie Streicher- und Bläser-Ensemble stellten sich am Wochenende im Ernst-Barlach-Gymnasium und der Musikschule Kiel den Jurys des 54. Regionalwettbewerbs „Jugend musiziert“.

Voriger Artikel
Der großen Dichterin ganz nah
Nächster Artikel
Die Elbphilharmonie kann auch La Ola

Junge Virtuosen am Werk: Der 54. Regionalwettbewerb von "Jugend musiziert" fand am Wochenende in Kiel statt.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Ein Wettbewerb, der mit all seinen Regularien manchmal etwas angespannt wirkt, aber auch immer wieder zeigt – bei Publikum wie Teilnehmern –, welche Quelle der Freude Musik ist. Wir haben hineingelauscht.

Das sind einige Teilnehmer am 54. Regionalwettbewerb von "Jugend musiziert" in Kiel.

Zur Bildergalerie

Die Milderung der Anspannung beginnt für die jungen Musiker (und ihre manchmal viel aufgeregteren Eltern und Lehrer) schon am Empfang. „Wir verteilen Gummibärchen und sagen, es seien Beruhigungspillen“, lächelt Angelika Stargardt aus dem Kulturamt, die zusammen mit ihrem umsichtigen jungen Team den Wettbewerb vor Ort begleitet. „Wir sind die guten Geister.“ Und die machen auch mal eine Ausnahme. So darf das beim Lübecker Regionalwettbewerb erkrankte Saxofontrio „selbstverständlich hier antreten“, wo eigentlich nur Teilnehmer aus Kiel und dem Umland zugelassen sind. Max Friedrich Gerke, Emma Maetzel und Vanessa Schlender sind schon beim Einspiel entsprechend entspannt und auf der Bühne der EBG-Aula souverän, wenn man das von 10- bis 12-Jährigen behaupten kann. Thomas Morleys „Canzonetta“ spielen sie als Präludium zu Helga Warner-Buhlmanns „Suite Tango & Co.“, die sie als Saxofonisten auch mal jazzig nehmen dürfen. Bei „Blues“ und „Walzer“ wippen manche im Publikum unwillkürlich entspannt mit.

Zeitgenössische Musik weckt Spielfreude 

Etwas schwerer hat es das Kieler Trompeten-Quartett mit Vincent Dettenborn, Jonathan Ramann, Nick Heimann, und Daniel Bethke. Beim „Jägerchor“ aus Webers „Freischütz“ geht der ein oder andere Ton daneben. Aber was soll’s? Die Freude am Ensemble-Spiel ist hörbar und wird mit Leroy Ostranskys „Fanfare und Allegro“ umso sicherer als Trumpfkarte ausgespielt.
 
Schon ein Jahr älter – und das macht in so jungen Jahren einiges an Erfahrung und Beherrschung des Instruments aus – sind Timm Benjamin Reich, Richard Paul Wegner (beide Geige) und Fabiana von Schlieffen (Cello). Auch sie haben ein Faible für die zeitgenössische Musik, denn bei Xaver Paul Thomas „Terzettino Piccolo“ entfalten sie Klangfarben, die aus Flageoletts, Glissandi und perkussivem Spiel mit dem Holz des Bogens entstehen.

Frühe Meisterschaft entdeckt

So faszinierend – angesichts des jungen Alters der Musiker – das schon ist, man entdeckt auch früh gereifte Meisterschaft. Pianist Ben Wittrock (Altersgruppe der 15- bis 16-Jährigen) liefert in seinem 20-minütigen Vorspiel ein kleines Konzert ab. In Bachs „Partita Nr. 2“ glänzt er mit Präzison und cembalesker Behandlung des „Claviers“, um in Beethovens „Klaviersonate Nr. 17, op. 31“ die Skalen mit solcher Flüssigkeit zu spielen, dass man sich nicht entspannt zurücklehnt, sondern angespannt auf der berühmten Stuhlkante lauscht. Mit den „Frösömblomster“ des Schweden Wilhelm Peterson-Berger rundet er sein Programm mit balladeskem Kolorit ab.
 
Und wie er dann lässig von der Bühne abgeht – da sieht man einen Kommenden, den man hier nicht zuletzt gehört hat. Und genau darum geht es bei „Jugend musiziert“: Abseits von Wettbewerbsanspannung und Punktewertung jungen Talenten eine Bühne zu bieten, sich und ihre Musik entspannt auszuprobieren. Oder wie es Angelika Stargardt sagt: „Hier sind alle Sieger!“ Wir Lauschenden nicht zuletzt.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3