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Die Glückssucherinnen

58. Nordische Filmtage in Lübeck eröffnen mit dem norwegischen Film „Rosemari“ Die Glückssucherinnen

Zur Eröffnung der Nordischen Filmtage in Lübeck mit prominenten Gästen wurde am Mittwoch der Film „Rosemari“ der norwegischen Regisseurin Sara Johnsen gezeigt. Sie setzt ein schwieriges Thema mit Leichtigkeit um.

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Starkes Team (v. re.): Rosemari (Ruby Dagnall), Unn-Tove (Tuva Novotny) und Hilde (Laila Goody) in „Rosemari“.

Quelle: NFL

Lübeck.. Inger Nilsson, die für viele immer Pippi Langstrumpf bleiben wird, wurde bereits gesichtet, auch ihre Kollegin Helene Grass, mit der Nilsson zusammen in der Jury für den NDR-Filmpreis sitzt. Opernsängerin Joyce DiDonato und Krimi-Legende Donna Leon kommen heute, um im Filmforum Die Florence Foster Jenkins Story vorzustellen. Aber schon beim Pressegespräch vor der Eröffnung der 58. Nordischen Filmtage saß gestern Nachmittag die geballte Frauenpower auf der Bühne. Sara Johnsen, Regisseurin des Eröffnungsfilms Rosemari, war mit ihren Hauptdarstellerinnen Laila Goody und der 16-jährigen Ruby Dagnall angereist.

 Die Geschichte spielt in Hönefoss in Südnorwegen, wo es einen eindrucksvollen Wasserfall gibt und sonst nicht viel, weshalb Hilde, die Chefin des Lokalfernsehens, zum Ausgleich in ihren Talkshows gern von Sex, Liebe und anderen Gefühlen spricht. Im Gegensatz zu Reporterin Unn-Tove, die sich vor Jahren für den falschen Mann entschieden hat und damit auch eine Scheidung und zwei Kinder später noch hadert. Bis eines Tages in ihrem Garten ein fremdes Teenagermädchen auftaucht.

 Es geht um falsche Abbiegungen im Leben in diesem ruhigen, mit mildem Humor erzählten Film – und ob sich nicht manches auch wieder zurechtrücken ließe. Auch Rosemari ist schließlich in einem Leben gelandet, das sie so nicht wollte: Das Mädchen wurde nach der Geburt als Findelkind zurückgelassen, ausgerechnet auf Unn-Toves Hochzeitsfeier…

 Eine wild verschachtelte Geschichte ist das, in der nicht alles zwingend ist. Und sie pendelt lebhaft zwischen Psychogramm und Roadmovie, als sich Unn-Tove mit Rosemari auf die Suche nach deren Eltern macht. Nicht nur aus privater Betroffenheit, auch mit der Kamera, die die Story fürs Fernsehen festhalten soll. So landen die beiden erst in der nahegelegenen Gärtnerei, dann in Dänemark bei einem ehemaligen Porno-Produzenten.

 „Wie entsteht, wer konstruiert eigentlich unsere Lebensgeschichte?“ Diese Frage habe sie interessiert, sagt Sara Johnsen in Lübeck. Und ihr Film nimmt sich Zeit zum Erzählen und zum Beobachten. Lange verweilt die Kamera auf den Gesichtern, eher abwartend als forschend. Ein Instrument, das den Frauen auch ihr Selbst zurückspiegelt. Und man mag diese Glückssucherinnen, in deren Gesichtern und Haltung die Schauspielerinnen Tuva Novotny (Unn-Tove) und Ruby Dagnall (Rosemari) mit minimalem Einsatz die innere Bewegung sichtbar machen. Und während die eine ihre melancholische Verpuppung pflegt, begehrt das Mädchen lebensgierig auf. Ein starkes Team, das Laila Goodys prima direkte Hilde als komisches Korrektiv ergänzt. Und am Ende liegt die Auflösung ganz nah.

 Dass Rosemari wie überhaupt etliche der in Lübeck gezeigten Filme auch mit deutscher Unterstützung entstanden ist und sich internationale Kooperationen umgekehrt auch für die hiesigen Filmemacher lohnen, lobte Kulturministerin Anke Spoorendonk, die gestern als ausgewiesener Kinofan zur Filmtage-Eröffnung kam.

 Rosemari ist vielleicht nicht der ganz große Wurf, dazu will die Geschichte etwas zu viel, finden nicht alle Ebenen zusammen. Aber Johnsen, die auch als Schriftstellerin erfolgreich ist, setzt ein schwieriges Thema mit Leichtigkeit um; und die Energie und das intensiv differenzierte Spiel, mit dem die Schauspielerinnen diese ganz normal sehnsüchtigen Frauenfiguren lebendig machen – das bleibt unbedingt hängen.

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