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Auftritt mit viel Wumms

A Love Electric Auftritt mit viel Wumms

Kiel, Berlin, Mexiko City, Portland, Seattle – der Tourplan von A Love Electric ist mal eine Ansage. Umso schöner, dass die Truppe hier im Norden Halt macht auf ihrer aktuellen Konzertreise. Was durch einen persönlichen Kontakt des Sängers, Gitarristen und Songschreibers Todd Clouser bereits zum dritten Mal möglich wurde.

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Todd Clouser (Gitarre und Gesang, von links), Hernan Hecht (Drums) und Aaron Cruz (Bass) bilden die Gruppe A Love Electric.

Quelle: Manuel Weber

Kiel. Wohl nur sehr selten hatte ein Auftritt im sehr gut besuchten Stattcafé so viel Wumms wie dieser. Und das Trio setzt auch in anderer Hinsicht musikalische Maßstäbe. Todd Clouser aus Minneapolis, Bassist Aaron Cruz aus Mexiko und der Argentinier Hernan Hecht sind ein eingeschworenes Trio, das nicht nur in der Bühnenplatzierung ein perfektes Dreieck bildet. Keiner überstrahlt hier den anderen, sondern man agiert absolut auf Augenhöhe.

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Was dabei herauskommt, ist ein vielschichtig schillerndes Amalgam aus Jazz, Blues, Rock, Funk, Psychedelic, das ungeheuren Spaß macht. Todd Clouser, ausgebildet am Berklee College of Music, ist nichts weniger als ein Virtuose an seinem Instrument – genauso wie seine Kollegen. Gleich der Opener „Lift Me“ vom Album „The Naked Beat“ groovt gewaltig, bevor er quasi auf offener Bühne dekonstruiert wird. Clouser lässt seine Gitarre, die eben noch weich und warm klang, dreckig und noisig bratzen, Bass und Schlagzeug verwandeln sich in ein Gewitter aus an- und abschwellenden Rhythmen. Zwischendrin spielt Aaron Cruz noch ein bluesiges Mundharmonika-Wimmern ein, das er dann in Dauerschleife loopt und ins Geschehen einwebt.

Musik ist immer wieder überraschend

Überhaupt ist die Musik von A Love Electric immer wieder überraschend, verändern die Songs ständig ihr Gesicht. Was aber kein introvertiertes vor sich hin Improvisieren der einzelnen Musiker mit sich bringt, sondern sehr organisch in seinen Strukturen ineinander greift. Dabei kann es sehr druckvoll jazz-rockig werden, aber auch fast kontemplativ wie etwa im Song „Mr. Kahn“ zugehen. Todd Clouser legt seine Lyrics  meist wie ein traditioneller Storyteller als Sprechgesang über das Stück. Aaron Cruz spielt diesmal einen weichen, hypnotischen Bass, während der wunderbare Hernan Hecht seine Trommeln, Rahmen und Becken immer feiner austariert.

Hat man dann das Gefühl in der Ruhe angekommen zu sein, setzt ein scharfer Break den Startpunkt zum nächsten Songabenteuer. Das bunt gemischte Publikum hört gebannt zu und applaudiert zunehmend begeistert. Auch bei den ganz neuen Songs wie etwa „White Jesus“, der rockig losgeht mit verzerrter Gitarre, vorwärts marschierendem Bass und Drums und einem Gesang, der sich wie der eines Predigers in Rage steigert. Dann schnurrt das Ganze unvermittelt zusammen zu einem gemeinsamen Flow. Drummer Hecht tätschelt mit voluminösen Besen, während Clouser an einzelnen Saiten fingert. Alles hochkonzentriert und nichts davon bloße Effekthascherei. Aber irgendwann muss auch ein solcher Abend sein Ende finden, was er mit einer eben so schlichten, wie wirkmächtigen Ballade tut, in der man Todd Clouser noch einmal von einer ganz anderen Gesangsfarbe erlebt, die ihm auch sehr gut steht. Alle Hüte ab.

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