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Die Chancen des Scheiterns

Nora Jacobs "szenische Experimente" im Werftparktheater Die Chancen des Scheiterns

Die Spielzeit 2015/16 neigt sich dem Ende zu und mit ihr die Ära von Norbert Aust, der im Juli als Leiter des Werftparktheaters in den Ruhestand geht. Für die letzte Premiere im Hause hat der Chef sich etwas Besonderes gewünscht.

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Experimente zum Thema Scheitern auch am Theatervorhang: Siegfried und Nora Jacobs

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Nora Jacobs, als Teenie einst Mitglied des Jungendclubs Werftpark, mittlerweile ausgebildete Performance-Künstlerin und im vergangenen Herbst als Regieassistentin auf Stippvisite im Werftparktheater, erfüllt ihm diesen Wunsch nur zu gern. „Das ABC des Scheiterns“ nennt sie ihr Projekt zwischen Theaterstück und Performance, bestehend aus eine Reihe kurzer szenischer „Experimente“.

 Jede Szene sei ein Spiel mit klassischen Theaterelementen, mit Klischees und – vor allem – mit der Erwartungshaltung des Publikums, erzählt die 32-Jährige, die einst ihr Studium an der Kunstakademie in Wien für den Besuch einer Zirkusschule in England unterbrochen hatte und vor dem Abschluss in Österreich noch eine Schauspielausbildung in Norwegen absolvierte. In der aktuellen Produktion führt sie Regie und steht auch auf der Bühne – an der Seite ihres Vaters Siegfried Jacobs, der wiederum vor 40 Jahren mit Norbert Aust in Dortmund Theater spielte. „Mein Vater macht das toll“, sagt sie über die beiderseits sehr gewünschte erste Zusammenarbeit – wohl wissend, dass der Crossover zwischen Theater und Performance für einen gestandenen Schauspieler eine Herausforderung bedeutet. „Anders als im klassischen Theaterstück geht man in der Performance eher unbefangen vor und macht einfach etwas.“

 Gemeinsam haben Vater und Tochter zunächst persönliche Geschichten zum Thema gesammelt, kleine Dinge, die nicht den Lauf der Welt verändern. „Wir versuchen, etwas Privates zu zeigen, das auch allgemeingültig ist.“ Angelegt ist die Szenenfolge, für die sie mit Begeisterung im Kostümfundus gestöbert hat, wie ein Vorsprechen: „Jemand betritt die Bühne, macht etwas und geht wieder. Die Reihenfolge ist beliebig.“ Da gibt es den Käfer mit Hirschgeweih oder die Robbe mit Affenkopf, und was diese seltsam zusammengebastelten Wesen erleben, steht exemplarisch für Situationen, die jeder erleben könnte. Wie die (belegte) Panne beim letzten Auftritt von Elvis: „Er hatte seinen Text vergessen, redete irgendwelchen Unsinn und das Publikum klatschte, weil es glaubte, es solle so sein.“ In einer anderen Szene treffen sich zwei Clowns, die sich verzweifelt bemühen, den roten Theatervorhang vorzuziehen – „eine Persiflage auf schlecht gemachtes Kindertheater.“

 Nora Jacobs mag die Möglichkeiten, die im Scheitern liegen. „Ich will zeigen, dass es immer weiter geht. Etwas läuft schief, man nimmt es wahr und macht etwas daraus, so dass über das Scheitern immer etwas Neues entwickelt werden kann.“ Zuschauer ab zwölf Jahren sind willkommen.

 Theater im Werftpark. Premiere am Sonnabend, 20 Uhr.

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