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Wo der Amokläufer Angst bekommt

Abdelkarim im Metro-Kino Wo der Amokläufer Angst bekommt

Am Ende wird der Comedian dann noch ernst und freut sich, dass in seiner Show verschiedenste Menschen zusammenkommen: „Von ganz jung bis nicht mehr ganz jung und von hellweiß bis dunkelschwarz“: Abdelkarim gastierte im Metro-Kino. 

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Bitterböses und Absurdes: Abdelkarim im Kieler Metro-Kino.

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Von Beate Jänicke

Der Mann mit dem „marokkanischen Migrationsvordergrund“ unterhielt sein Publikum zwei Stunden lang vorzüglich mit seinem Programm "Zwischen Ghetto und Germanen". 2015 bekam er dafür zu Recht den Bayrischen Kabarettpreis. Die olle Frage, ob es sich bei dem, was der Mittdreißiger da genau auf der Bühne treibt, nun um Kabarett oder Comedy handelt, ist völlig obsolet. Wenn er extra lässig über sich und seine Erlebnisse als „Marokkaner aus Bielefeld“ plaudert, wird das Private mal wieder ganz von selbst politisch. Abdelkarim, den viele auch aus seinen TV-Auftritten – etwa in der „ZDF heute Show“ – kennen, vermischt leichthändig die Genres. Der ehemalige Jura-Student schert sich nicht um politische Korrektheit. Aber nicht so, wie es sich die Früher-war-alles-besser-Fraktion immer zurückwünscht. Abdelkarims schwarzer Humor zielt gerade nicht von oben nach unten. Er spießt die Absonderlichkeiten aller gesellschaftlichen Gruppen gleichermaßen auf. Etwa wenn er erzählt, wie er im September 2015 das erste Mal in seinem Leben auf Bahnhöfen mit Applaus empfangen wurde – weil man ihn für einen Flüchtling hielt. Selbst ein Butterbrot ohne Schweinefleisch gab es, dafür mit Banane: „das Moslem-Paket!“

 Dass sein Spott bei ihm selbst nicht aufhört, versteht sich: Seit dem vergangenen Silvester fühle er sich wie „ein Deutscher gefangen im Körper eines Grabschers.“ In der Bahn von der Zivilpolizei grundsätzlich kontrolliert, bleibe er nur dann verschont, wenn außer ihm noch ein Schwarzer im Zug sei: „Das geht nach Farbskala von ganz dunkel bis immer heller.“ Da passiert es schon mal, dass er mit einem Kopfnicken auf den Afrikaner im Sitz hinter sich verweist, wenn er gerade keine Lust auf die obligatorische Kontrolle hat. „Das ist gelungene Integration“, ätzt Abdelkarim, „wenn der Marokkaner den Bullen hilft, den Schwarzen zu packen.“ Auch die Geschichte über den Amokläufer, der sich, statt ins Gymnasium zu gehen, irrtümlich in die Hauptschule verlaufen hat, wo ihn sich die dort versammelte Migranten-Jugend vorknöpft, was zur TV-Sondersendung „Sind unsere Amokläufer noch sicher?“ führt, ist bitterböse und absurd zugleich. Klasse.

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