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In Islands traumhaften Klangwelten

Heinz Ratz und das neues Album „Reykjavik“ In Islands traumhaften Klangwelten

Heinz Ratz und sein neues Album „Reykjavik“ bezauberten im Lutterbeker das Publikum.

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Ihre Lieder erzählen von nordischem Zauber und Melancholie: Die isländischen Sänger Ragga Gröndal (li.) und Egill Ólafsson.

Quelle: Foto: Manuel Weber

Lutterbek. Lutterbek. Heinz Ratz bezeichnet sich selber gerne wahlweise als ungebildet, unbedarft oder unbekümmert. In Wahrheit ist er natürlich ein übersprudelnder Quell origineller künstlerischer Ausdrucksformen, der nur zu gerne neue Kaninchen aus dem Hut zaubert. Ob mit Büchern, seiner Band Strom & Wasser, seinen Refugee-Initiativen (lange bevor das Thema nun täglich die Schlagzeilen dominiert) oder den groß angelegten Umwelt-Aktionen. Und im Oktober des vergangenen Jahres verblüffte er das Publikum gar mit dem schrägen Auto-Theaterstück Blechmusikanten. Doch bei seinem neuesten Projekt widmet sich das Energiebündel nun wieder einzig und allein der Musik. Freitag erschien das aktuelle, in Hamburg und Island aufgenommene Album Reykjavik. Das dazugehörige Release-Konzert im Lutterbeker entführte ein hingerissenes Publikum in die mystisch-traumhaften Klangwelten des ganz hohen Nordens.

 Weil bei Ratz alles politisch ist, stellt sich der Musiker und Autor dieses Mal die Frage nach Europa und was „aus dem großen humanistischen Entwurf übrig geblieben ist.“ Dazu haben sich Ratz und Musiker von Strom & Wasser an den äußersten Rand des Kontinents nach Island begeben, um sich von der dortigen Atmosphäre inspirieren zu lassen und Kontakte mit isländischen Musikern zu knüpfen. Das Ergebnis dieses Findungsprozesses ist dabei weniger ein ausformuliertes politisches Manifest als vielmehr eine bemerkenswerte Anzahl atemberaubende Lieder voller Melancholie, Schönheit und Kraft. Ratz erzählt in komponierten Bildern von Europa, nicht in getippten Paragrafen.

 In einer großartigen Band, bei der Ratz wieder zwischen Geschichten-Erzähler, Sänger und Rapper pendelt, geben der markante und in seiner Heimat sehr bekannte Bariton Egill Ólafsson und vor allem die in der Mittellage brillierende aber ebenso in lichten Höhen schwebende, ein wenig an Enya oder Sade erinnernde Sängerin Ragga Gröndal den Ton an. Haukur Gröndal (Bruder von Ragga) sorgt mit seinem umschmeichelnd temperierten Saxofon für märchenhafte Farben. Bass, Schlagzeug, Keyboard und E-Gitarre bringen die Songs, die mal nach Folk oder Weltmusik (Pú Ert Sem Bláa Bómið), dann wieder nach Chanson (Eg Hugsa/ Ich denke an dich), Funk, Jazz, Rock (Búðingur/Der Geist kann immer) einmal sogar ein bisschen nach Punk klingen (Lavamädchen), präzise und machtvoll auf Touren. Wahrlich grenzensprengend und wie eine monumentale Klangwelle aufbrausend ist Stern und Haus mit seinem majestätischen Arrangement und dem erhabenen Lead-Gesang von Ragga Gröndal der wohl spektakulärste Song des Abends. So macht Europa Spaß … und beeindruckt!

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