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Dezente Piano-Brillanz

Tharaud im Schloss Kiel Dezente Piano-Brillanz

„Sublime Virtuosität“: Was zunächst nach einem unauflösbaren Gegensatz klingt, erweist sich im Spiel des französischen Pianisten Alexandre Tharaud als durchaus vereinbar. Im 6. Streiber-Meisterkonzert begeistert der 46-jährige am Dienstagabend die Zuhörer/innen im Kieler Schloss mit musikalischen Delikatessen vom Barock bis zum Impressionismus. Von Anna Struck

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So brillant seine Technik und so beeindruckend seine virtuosen Fähigkeiten sind – sie stehen bei Alexandre Tharaud stets im Dienste der Musik und nie als bloßes Mittel zum Zweck im Vordergrund.

Quelle: Marco Borggreve

Kiel. So brillant seine Technik und so beeindruckend seine virtuosen Fähigkeiten sind – sie stehen bei Tharaud stets im Dienste der Musik und nie als bloßes Mittel zum Zweck im Vordergrund. So geraten Ravels Miroirs bei allem notwendigen Zupacken (insbesondere im grandios dargebotenen Alborada del Gracioso) nie überwuchtig, sondern hintergründig-subtil. Mit einer erfrischenden Mischung aus Geradlinigkeit und künstlerischer Gestaltungsfreiheit interpretiert Tharaud Mozarts A-Dur-Sonate KV 331. Mit kleinen Verzierungen und Arpeggien in Wiederholungen mutet sie fast ein wenig barock, dabei aber frappierend stimmig und schlüssig an. Durch gelegentliche Hervorhebungen von Basslinien, die sonst häufig zu bloßen Begleitfiguren verkümmern, schafft Tharaud interessante Klangschattierungen jenseits des pianistischen Mainstreams.

 Kontrastreich gelingen fünf Sonaten Domenico Scarlattis, in denen der Pianist sämtlichen Gefühlszuständen von „himmelhoch jauchzend“ (in der charmant-belebten C-Dur-Sonate K514) bis „zu Tode betrübt“ (in der anrührend-eindringlichen f-Moll-Sonate K481) musikalischen Ausdruck verleiht. Ebenso vielschichtig gerät Rameaus reizvolle a-Moll-Suite aus den Nouvelles Suites de Pièces de Clavecin. Mühelos perlende Triller-Figurationen, souverän gemeisterte Repetitions-Forderungen, traumhafte Pianissimo-Passagen und augenscheinliche Spielfreude verbindet Tharaud zu einem packend-homogenen Gesamtpaket. Einziger Wermutstropfen des gelungenen Abends ist die spärliche Besucherzahl. Die Anwesenden sparen jedoch nicht an Applaus, der mit zwei Zugaben (Chopins a-Moll-Walzer op. posth. (IVb/11) und Rameaus Les Sauvages) belohnt wird.

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KN-online (Kieler Nachrichten)