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Viel Witz und eine Prise Poesie

Alfons im Metro-Kino Kiel Viel Witz und eine Prise Poesie

Na, klar, hat Alfons auch in seinem fünften Bühnenprogramm ein paar seiner wunderbar komischen, entlarvenden Umfrage-Filme im Gepäck. Aber nicht nur das: Der Lieblings-Franzose zeigte sich im ausverkauften Metro-Kino auch von der kabarettistischen und philosophischen Seite.

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Alfons 2016 im Metro Kino Kiel

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Von Beate Jänicke

Bevor es losging mit der eigentlichen Show Das Geheimnis meiner Schönheit, ließ Emmanuel Peterfalvi aka Alfons, der Mann hinter der Maske des scheinbar naiven TV-Reporters, ein paar satirische Spitzen Richtung Deutschland und Frankreich los: Immer beliebter sei die Kanzlerin bislang bei den Deutschen geworden, obwohl sie „keine Meinung“ hatte, jetzt habe sie endlich eine, zur Flüchtlingsfrage, und vertrete die Werte Europas und „ihr findet sie doof“. Nur noch 40 Prozent Zustimmung. Aber Alfons weiß Rat: Man könne sie gerne eintauschen gegen Präsident Hollande: „Jede Rotweinflasche hat mehr Umfrage-Prozente als er.“

 Nach diesem Exkurs geht es mitten rein in das neue Programm, das eigentlich No 5 heißen sollte, allein der Beauty-Konzern Chanel hatte etwas dagegen. Alfons sei zwar auch schön, aber mehr so im Geheimen. Schon war der Titel des neuen Programms geboren. In ihm zeigt sich Alfons von einer anderen Seite: Geschichten aus Kindheit und Jugend sind es, die er in einer Mischung aus Erzählung und Spielszenen präsentiert. Wie er als kleiner Junge nach einem Schulausflug ins Maison de la Radio fürs Fernsehmachen entbrannte und als Maskottchen der TV-Anstalt zu stundenlangem Anhören der Lieder des größten Stars Frankreichs verdonnert wurde: Mireille Mathieu. Nur: der Knirps hatte Brigitte Bardot erwartet. Dass er mit der Mathieu auch noch den Haarschnitt teilte, bewies ein unter großem Gelächter eingeblendetes Foto. Wegen seines Asthmas auf einen Bauernhof in der Provence verschickt, begann Alfons eine jahrelange Freundschaft mit dem Altbauern Augustin. Der ihm schließlich auch seinen späteren Weg ebnete mit dem klugen Satz: „Werde, wer du bist!“ Zwar war der nicht von ihm, sondern vom Philosophen Nietzsche, einem Nachbarbauern, wie der junge Alfons vermutete, aber dennoch hilfreich.

 Emmanuel Petervalvi gelingt es mit seinen (manchmal etwas zu ausufernden) Geschichten, den Bogen zu schlagen zwischen dem Witzbold Alfons und einem eher leisen, poetischen Erzähler, der – durchaus auch mit Humor – eine besondere Stimmung zu erzeugen weiß. Aufgelockert wird das Ganze auch diesmal mit Film-Einspielern, immer noch Alfons Paradedisziplin. Wo der Reporter mit dem Puschelmikro auftaucht und Fragen stellt, läuft alles irgendwie aus dem Ruder: Der Ticketautomat der Deutschen Bahn, der in einem Seminar Rentnern erklärt werden sollte, verweigert ausgerechnet dem Seminarleiter den Dienst. Der Zeremonienmeister bei einem deutschen Schützenfest kippt sich einen Schnaps nach dem anderen hinter die Binde und marschiert mit der ganzen Truppe in eine Sackgasse. Während Alfons mit staunenden Augen nachhakt. Großer Applaus.

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