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Reise durch die dänische Literatur

Alter Botanischer Garten in Kiel Reise durch die dänische Literatur

Nach der offiziellen Eröffnung des Literatursommers stand am Freitag das Fest im Alten Botanischen Garten in Kiel auf dem Programm und bot eine Reise durch die dänische Literatur.

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Der Literatursommer machte im Alten Botanischen Garten Station.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Den Reißverschluss ihrer Jacke bis zum Kinn hochgezogen sitzt Katja Bethke-Prange unter dem Zeltdach im Alten Botanischen Garten und liest Herman Bang. Es handelt von einem jungen Pärchen, Hamlets Grab und sehr viel Regen. Sommernachtstraum hat Herman Bang diese Erzählung genannt.

Es ist ein Titel, der eigentlich wunderbar zur Kulisse des Literaturfestes im Alten Botanischen Garten passen würde: dicht bewachsene, verschlungene Wege, in der Abendsonne leuchtende Blüten der Stockrosen und Hortensien und der alte, romantisch bewachsene Backstein-Pavillon. Eigentlich. Denn trotz Kulisse und des Sonnenscheins, der rechtzeitig zu Beginn der Lesungen durch die Wolken bricht, fühlt es sich an diesem Abend gar nicht nach Sommer an.

Hanne-Vibeke Holst – vorausschauend mit Daunenjacke bekleidet – kann in einem munteren Gespräch über das Schreiben, das wie Weben sei, ihre Familiengeschichte erzählen.

Dänemark ist nah in Kiel. Auch aus diesem Grund war der Länderschwerpunkt des diesjährigen Literatursommers so gewählt worden. Für viele Besucher ist die Nähe zum Nachbarland, die historische Verbundenheit, ein Grund für ihr Kommen. Einige sprechen Dänisch, andere wollen ihre Kenntnisse auffrischen. Dennoch drehen sich in den Pausen die Gespräche weniger um dänische Literatur, als darum wie man sich – außer mit Decken, Kissen und dicken Jacken – gegen die Kälte schützen kann.

Einige haben wohl keine Antwort gefunden und so bleiben viele Plätze in der zweiten Hälfte leer. Sie verpassen den spannenden Vortrag der Skandinavistin Katja Bethke-Prange über Herman Bang; den Dandy und Impressionisten, dessen Schreiben Thomas Mann inspirierte.

Anna Grue, die kältebedingt im Literaturhaus liest, holt die Zuhörer zurück in die Gegenwart. Ihre Krimis um den Ermittler Dan Sommerdahl unterscheiden sich deutlich von den bluttriefenden Büchern vieler ihrer Kollegen. „Meine Bücher sind sehr feminin und altbacken“, sagt sie lachend. Sie will Spuren auslegen und rätseln lassen, nach dem Vorbild Agatha Christies. Zusammen mit ihrem Übersetzer Ulrich Sonnenberg liest sie Passagen aus Sommerdahls viertem Fall, in dem der gleich an zwei Fronten ermittelt.

Es war ein Abend, der die Vielfalt der dänischen Literatur zeigt: unterhaltsam, anregend und auch lehrreich. Dann muss er auch kein Sommernachtstraum sein.

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Ein Artikel von
Anne-Kathrin Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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