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Am Boden, an der Wand und im Mauerwerk

Bunker D Am Boden, an der Wand und im Mauerwerk

Der Frankfurter Künstler Jens Lay präsentiert seine „Bestandsaufnahme“ im Bunker D. Und überrascht mit abstrakter Poesie.

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Die Wände des Bunkers sind für Jens Lay eine wahre Fundgrube an Strukturen und Spuren. Die hat er im heimischen Atelier zu Unikaten auf Papier verarbeitet.

Quelle: Foto: Björn Schaller

Kiel. Wenn Jens Lay einen Raum betritt, bleibt sein Blick automatisch an Details hängen, die den meisten Menschen kaum auffallen würden. Unebenheiten im Boden oder an den Wänden, feine Risse im Mauerwerk, Verschraubungen oder Spuren von Holzverschalungen sind Inspirationsquellen für die grafische Arbeit des Künstlers aus Frankfurt. Dass der Bunker D der Fachhochschule Kiel für einen wie ihn eine „wahre Fundgrube“ darstellt, versteht sich beinahe von selbst. Der Ausstellungstitel Bestandsaufnahme lässt Pragmatisches erwarten.

Doch Lay überrascht mit abstrakter Poesie. Fotografien, Frottagen und Zeichnungen, angefertigt von den vielen unauffälligen Auffälligkeiten vor Ort, hat er im hen Atelier überarbeitet und „organisch wachsen lassen“. Das heißt Gezeichnetes wurde fotografiert, digital bearbeitet und mit Tusche oder Stift übermalt, Fotografiertes und Gedrucktes durch Handzeichnungen verfremdet. Die so entstandenen Grafiken sind allesamt Unikate – abstrakte Bildwelten, in denen hier und da ein Schiffskörper, ein Baum oder einer jener markanter Schriftzüge auftaucht, die an den Bunkerwänden zu lesen sind. „Ich interpretiere die Strukturen des Raumes sowie gefundene Spuren und verknüpfe sie mit physisch vorhandenen Elementen“, so der 51-Jährige. Systematische Spurensicherung ist dabei nicht sein Ziel. Vielmehr geht es ihm um das Spiel mit den manuellen und digitalen Möglichkeiten, bei denen er dem Zufall eine wichtige Rolle zuschreibt. „Trotzdem will ich die Kontrolle behalten, so dass man am Ende meine Handschrift erkennt.“ Das gilt auch für die in Frottagetechnik gedruckten Leinwände. In langen Bahnen im zweiten Galerieraum nebeneinander gehängt, lassen die vertikal akzentuierten Arbeiten in Schwarzweiß an Kalligrafien denken. Ein schrundiger Fleck in einem Mauerstück wird im Druck zum zarten Gewölk, woanders lässt sich ein Gewirr aus Fuß- und Handabdrücken ausmachen. Mit einem feinem Gespinst aus gezeichneten oder getuschten Linien überzogen, löst sich die Gegenständlichkeit der eingefangenen Strukturen auf und scheint über sich hinaus zu wachsen.

Bunker D, bis 10. Februar. www.bunker-d.de 

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Ein Artikel von
Sabine Tholund

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