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Immer im rechten Licht

Der Kieler Kulturpreis geht an Ulrich Behl Immer im rechten Licht

Preise für sein künstlerisches Werk hat Ulrich Behl schon so manche erhalten. Der Kieler Kulturpreis, der ihm am Sonntag im Rathaus verliehen wird, ist für ihn jedoch etwas ganz Besonderes.

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Die nächste Ausstellung fest im Blick: Ulrich Behl in seiner mit viel Kunst bestückten Kieler Wohnung.

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. „Wenn ich mir die Liste der Preisträger so anschaue, dann ist das schon ein gewisser Höhepunkt“, so der 76-Jährige. „Mit Nolde fing es an, jetzt steigern sie sich von Jahr zu Jahr“, sagt er mit der für ihn so typischen Verschmitztheit. „Aber schreiben Sie das bloß nicht, sonst denkt vielleicht jemand, ich meine das ernst.“

Ulrich Behl ist ein Spaßvogel. Unverwüstlich, möchte man sagen. Eine böse Erkrankung, die ihm seit Ende des letzten Jahres zu schaffen machte, hat er überwunden, nun freut er sich über die rege Anteilnahme der Kieler an der bevorstehenden Ehrung. „Seit im März öffentlich bekannt wurde, dass ich den Kulturpreis bekomme, ist kein Tag vergangen, an dem ich nicht darauf angesprochen werde. Das ist besser als jede Therapie. Als hätten die Ärzte gesagt: Seid mal alle nett zu dem Behl, der kann es brauchen.“ Wie auch immer, jetzt ist er wieder fit – alles andere passt auch irgendwie nicht zu Ulrich Behl. Umtriebig wie eh und je steckt er mitten in der Vorbereitung zu einer Einzelausstellung in Dortmund, gerade hat er mit Unterstützung des Grünflächenamtes seine Schwimmobjekte auf dem Kleinen Kiel ausgesetzt, im Frühjahr nahm er neben anderen Vertretern der konkret-konstruktiven Kunst an einer Gruppenausstellung in Riegel am Kaiserstuhl teil.

 Kunst ist sein Leben, daran gibt es keinen Zweifel. Seine Wohnung – die neunte in 45 Kieler Jahren – ist randvoll mit Bildern, Grafiken und Objekten, die nur zu einem geringen Anteil von ihm selbst stammen. Der geräumige Flur gleicht einem White Cube und auch in den Zimmern hängen die Wände voll mit Arbeiten von Felix Droese und Max Ernst, Walter Stöhrer oder Raffael Rheinsberg. „Ich nenne das meine Privatgalerie mit Weltkunst“, sagt Behl fröhlich und erzählt von seinen diversen Kontakten zu regionalen und überregionalen Kollegen. Gefragt nach der filigranen hölzernen Konstruktion, die über einer Tür im Flur schwebt, kommt er schließlich auf sich selbst zu sprechen. „Das ist ein Teil eines Flugmodells, von denen ich als Kind ähnliche gebastelt habe. Ohne diese Modelle würde es meine Objekte nicht geben.“ Als Junge habe er oft mit Freunden im Gras gelegen und sich an den schönen Konstruktionen Marke Eigenbau erfreut. „Ohne im weitesten Sinne an Kunst zu denken, fiel mir damals schon die Wechselwirkung der Farben im Licht auf.“

 Vom Wechselspiel des Lichtes ist er bis heute fasziniert. Ob in seinen feinen Bleistiftzeichnungen oder in den geometrisch konstruierten, mit weißem Papier bespannten Objekten, in denen Löcher, Schlitze und Spalten kalkulierte Untiefen bilden: Immer geht es um die An- und Abwesenheit von Licht. Den Begriff Schatten gibt es bei ihm nicht. „Ich leite das Licht weiter und erzeuge Nuancen von Grau“, kommentiert er seine Objektkunst. „Wo das Licht nicht hinkommt, ist es dunkel.“ So einfach ist das.

 Wenn Behl von seiner Arbeit erzählt, ist ein didaktischer Unterton nicht zu überhören. Schließlich war er jahrelang auch Kunstvermittler. 1939 in Pommern geboren und bei Kriegsende nach Niedersachsen übergesiedelt, ging er nach dem Studium in Hannover bei Kurt Schwerdtfeger und Raimund Girke in den Schuldienst. 1971 zog es ihn von der bis heute hochgeschätzten Stadt an der Leine nach Kiel. Hier übernahm er eine Dozentur für Kunstpädagogik an der Pädagogischen Hochschule, später leitete er über 20 Jahre den Fachbereich für Literatur, Kunst und Gestaltung an der Volkshochschule Kiel. Zeitgleich machte er immer wieder als Künstler von sich reden – die Liste der Auszeichnungen kann sich sehen lassen: 1995 Teilnahme an der Biennale von Venedig, 1997 Ehrengast der deutschen Akademie Villa Massimo in Rom, 2008 Verleihung des Landeskunstschaupreises des Bundesverbandes Bildender Künstler Schleswig-Holstein. Und nun der Kieler Kulturpreis. Wie steht es mit dem Lampenfieber? „Wenn bei der Verleihung Musik gespielt wird, muss ich mich beherrschen, dass mir nicht die Tränen kullern“, sagt Ulrich Behl. „Aber ich freue mich gewaltig.“

 

 Wo der Preisträger in Kiel Präsenz zeigt

 Anlässlich der Verleihung des Kulturpreises im Kieler Ratssaal am Sonntag, 26. Juni, um 11 Uhr (mit Einlasskarte) ist Ulrich Behl in der Landeshauptstadt gleich an mehreren Orten präsent. Die Kieler Kunsthalle zeigt Arbeiten in der Graphischen Sammlung, die Stadtgalerie hat bis zum 3. Juli eine Foyerausstellung mit einer kleinen Auswahl an Werken aus verschiedenen Schaffensperioden eingerichtet. Und auf dem Kleinen Kiel treibt wieder seine Schwimmskulptur mit pyramidenförmigen Teilen aus Aluminiumblech. Am heutigen Freitag ist der Künstler ab 15 Uhr in Schilksee Gesprächsgast von Gerhard Müller in der KN-Medienlounge.

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