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Amüsante Harmlosigkeiten

Mozart-Oper "Die Hochzeit des Figaro" am Landestheater in Flenburg Amüsante Harmlosigkeiten

Trefflich besetzt und unterhaltsam in Szene gesetzt: Mozarts Oper "Die Hochzeit des Figaro" als Premiere in Flensburg. 

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Erotisches Viereck: Die Gräfin (Anna Schoeck), Susanna (Tina M. Herbert), Figaro (Kai-Moritz von Blanckenburg) und Graf (Marian Müller).

Quelle: +

Flensburg. Notorischer Schürzenjäger wird in aller Öffentlichkeit düpiert – in dieser radikalen Verkürzung kam Wolfgang Amadeus Mozarts eigentlich sublim sozialkritische Hochzeit des Figaro in der jüngsten Premiere auf die Bühne des Flensburger Theaters. Regisseur Markus Hertel verpflanzte die einstmals brisante Gesellschaftssatire ins klassenlose Heute und deutete sie so jenseits der damaligen sozialen Wirklichkeit ihrer Schöpfer Mozart und Da Ponte in eine harmlos burleske Komödie der Irrungen und Wirrungen um. War man aber bereit, diese etwas eindimensionale Werksicht zu akzeptieren und über die sich daraus automatisch ergebenden Anachronismen hinwegzusehen, erlebte man ein unterhaltsames, musikalisch erfreuliches Kräftemessen zwischen aufmüpfigen Angestellten und ihrem aristokratischem Chef, zwischen weiblicher List und begriffsstutziger Männlichkeit.

 Graf Almaviva hat in Regisseur Hertels Sicht seine besseren Zeiten längst hinter sich und ist jetzt nur noch Herr über ein weinproduzierendes Landgut in Spanien. Ausstatter Erwin Bode gelang ein stimmungsvolles, ästhetisch sehr ansprechendes Bühnenbild, in dem sich das Durcheinander der Zufälle und unverhofften Peinlichkeiten ungestört austoben konnte. Und Peter Sommerer am Pult seiner knackig aufspielenden Landessinfoniker sorgte bereits in der Ouvertüre für anregend brodelnde Tempi und aufsässige Akzentuierungen, was zumindest die musikalische Seite des Abends vor boulevardmäßiger Unverbindlichkeit einer Opera buffa bewahrte.

 Marian Müller gab den eifersüchtigen Feudalherrn Almaviva als cholerischen Verführer ohne Fortune, strafte aber mit kernigem Bariton und bedrohlichen Ausbrüchen diesen Eindruck musikalisch Lügen. Stimmlich imposant Anna Schoeck als desillusionierte, platinblonde Gräfin, deren konventionell ausfallende Verzeihungsgeste am Ende nicht Gutes für den zukünftigen Ehealltag des Grafenpaares zu verheißen schien.

 Camilla Lehmeier mimte hinreißend den flatterhafter Cherubino als eine Art „Junior-Casanova in Testphase“, servierte souverän und in hervorragender Textverständlichkeit ihre durchaus gefürchteten Arien mit brodelnder Intensität ihres balsamischen Mezzos.

www.sh-landestheater.de

 Die trefflich besetzten Comprimarii mit Jorge Martinez, Eva Scheidereit, Christopher Hutchinson und Markus Wessiack nebst dem unterbeschäftigten Chor (Bernd Stepputtis) bewiesen präzise Komik, wobei Sheida Damghani als stimmschöne Barbarina aufhorchen ließ.

 Kai-Moritz von Blankenburg, gewöhnlich Spezialist für widersprüchliche Charaktere, war ein nobel phrasierender Figaro voller sympathischer Grandezza, der sich bereits in seiner kämpferischen Auftrittsarie mit grollenden Untertönen als ernst zu nehmender Kontrahent seines adligen Arbeitgebers zu erkennen gab.

 Die Palme des Abend war allerdings Tina Marie Herbert als omnipräsente, charmante Susanna zu reichen: ein strahlender Sopran voller Ausgeglichenheit und Kraft, dem Töne schalkhafter Schläue wie sinnlichen Entzückens gleichermaßen zu Gebote standen.

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