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Anfang einer neuen Ära

EBG-Orchester unter Alexander Mottok Anfang einer neuen Ära

Wie in allen anderen Künsten bilden keimende Talente auch in der Musik einen idealen Ausgangspunkt für alles Mögliche. Wer sie zum Blühen bringen will, braucht dafür trotzdem ein Rezept.

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Alexander Mottok, hier bei der Probe, feierte mit dem Sinfonieorchester am Ernst-Barlach-Gymnasium einen starken Einstand.

Quelle: EN Erik Nielsen

Kiel. Der stärkste Eindruck, den man am Sonnabend vom 1. Saisonkonzert des Sinfonieorchesters am Ernst-Barlach-Gymnasium im Schloss mit auf den Heimweg nimmt, ist der, dass Alexander Mottok sich auf diese Herausforderung bestens vorbereitet hat.

 Schon Felix Mendelssohn Bartholdys Hebriden-Ouvertüre op. 26 zeigt, wie gut der neue Dirigent des jugendlichen Klangkörpers dessen Energien zu katalysieren vermag. Das an diesem Abend tatsächlich fast ausschließlich mit Schülern besetzte Orchester entwickelt die wechselnden Klangbilder des kurzen Stücks unter Mottoks Leitung kraftgespannt und sehr überlegt. Statt der Dynamik der Ouvertüre kostet der Dirigent dabei lieber ihre Dimensionalität aus. Für den Zuhörer bringt dies den Vorteil, dass die Orchestergruppen plastisch in den Zoom geraten.

 Die Frische und Leichtigkeit, die sich dabei überdies entfaltet, zeichnet auch die folgende Urfassung von George Gershwins An American in Paris aus. Mottok und seine mit ansteckender Verve agierenden Musiker überzeugen hier durch eine konzentriert umgesetzte Rhythmik, eindrucksvolle Bläserpassagen und viel Gespür für die wechselnden Stimmungen des Werkes. Streckenweise spielt das Orchester dabei so zielsicher, dass man darüber fast vergessen könnte, gerade einem hochbegabten Schülerverbund zu lauschen. Und wenn es dann im Blech und bei den Streichern doch einmal zu der einen oder anderen Schieflage kommt, ist die meist schon im nächsten Takt wieder ausgeglichen.

 Die ersten Bravi tönen dem EBG-Orchester und seinem inspirierten Maestro daher schon vor der Pause entgegen. Ihre Interpretation von Joseph Haydns Sinfonie Nr. 104 D-Dur „Londoner“ legt weitere Hochrufe nahe, denn auch dieses Werk präsentiert der kontinuierlich hellwach aufspielende Klangkörper angenehm aufgeräumt, sauber und vital. Blickt man beim großen Schlussapplaus vom Publikum zum Dirigenten und weiter zu den Musikern, besteht kein Zweifel, dass hier jeder von jedem begeistert ist – für den Anfang der neuen Ära des EBG-Orchesters ein ideales Ergebnis.

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