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Ganz nah an der Seele der Songs

Anna Depenbusch auf der Krusenkoppel Ganz nah an der Seele der Songs

Die dunklen Wolken hingen zwar über dem Kopf. Trotzdem begann der Abend mit einem kollektiven Schmunzeln aus dem sehr gut gefüllten Halbrund der Freilichtbühne  Krusenkoppel als die wunderbare Anna Depenbusch ihr Konzert mit dem leichtfüßig zwischen Schlager, Chanson und Pop tänzelnden Lied Sommer aus Papier eröffnete.

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Anna Depenbusch verzauberte das Kieler Publikum.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Noch sei der Sommer ein kleines, zartes Tierchen, das gehegt und gepflegt werden will, sagt sie danach, während sie den Blick von den Tasten ihres schwarzen Flügels in den Himmel hebt. Allerdings hat man den Eindruck, dass die Hamburgerin dabei mehr über sich und ihre Musik als über das Wetter spricht. Und das nicht von ungefähr.

Wer Depenbusch bei einer der vergangenen Kieler Wochen oder im Konzertsaal einmal mit ihrer zweifelsohne fantastischen Band erlebt hat, weiß, was es bedeutet, wenn sie nun als Solistin verspricht, ihre Lieder so zu präsentieren wie sie am Anfang entstanden seien, „nur am Klavier, sanft und zerbrechlich“. 

Denn so pur entfalten die hoch melodiösen Songs tatsächlich einen ganz eigenen, trotz der leichten Melancholie, die über allem zu schweben scheint, sehr lebendigen Zauber. Die innere Zerrissenheit zwischen Fern- und Heimweh beim herausragenden Heimat, einem ihrer ersten während eines dreimonatigen Aufenthaltes in Island geschrieben Lieder, bewegt ganz unmittelbar. Ebenso verhält es sich mit der souligen Ballade Engel zu Beginn des zweiten Sets. Depenbusch weiß diese Intimität bestens zu nutzen, und wie eine anständige Konzertdramaturgie funktioniert.

Immer wieder mischt sie beschwingte, humorvolle und dezent frivole Chansons ins Programm. So wie beim vom Publikum sicher begleiteten Tim liebt Tina, Glücklich in Berlin, Madame Clicquot oder Tanz mit mir. Gerade bei letzterem zeigt sie die  ganze Qualität einer echten Chanteuse mit 20er Jahre Attitüde, die stimmlich mühelos zwischen kehligem Gurren, glockenreinem Höhen und schuftigem Sprechgesang wechseln kann. Bei Hey Cowboy verlässt sie den Flügel und spielt mit dem Bottleneck gar eine beachtliche Country-Slide Gitarre, während sie bei Fräulein Ukulele und der ersten Zugabe Tretboot nach Hawaii gekonnt zum kleinen Zupfinstrument greift.

So wie Depenbusch das Publikum ganz nah an die Seele ihrer Songs heranführt, offenbart sie auch ihre eigene. Charmant und locker erzählt sie von den Menschen, Ereignissen und Begegnungen, die sie und ihre Songs prägen. Als Bühnenmensch schillert sie dabei zwischen mädchenhafter Unbekümmertheit mit Audrey Hepburn Noblesse und der selbstbewussten Direktheit legendärer Chanteusen wie Claire Waldoff. Damit ist Anna Depenbusch vor allem eines: Eine betörende Verführerin.   

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