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Erfolg mit Mendelssohns "Elias"

Kantorei Holtenau Erfolg mit Mendelssohns "Elias"

Felix Mendelssohns Oratorium "Elias" ist unbestritten eines der schönsten Sakralwerke des 19. Jahrhunderts. Jetzt hat die erweiterte Kantorei Holtenau unter der Leitung Anne-Beke Sontag in der Kieler Petruskirche eine Aufführung des anspruchsvollen zweistündigen Werkes gewagt – mit großem Erfolg.

Kiel. Das kann ihnen keiner mehr nehmen: Hat man als Jugendliche(r) den wunderschönen Chorsatz Denn er hat seinen Engeln befohlen gesungen, trägt man ihn sein Leben lang tief in sich. Anne-Beke Sontag gab Schülerinnen und Schülern der Kieler Gelehrtenschule genau diese Chance, als sie sie in die lebendige Aufführung von Mendelssohns großartigem Oratorium Elias in der bestens besuchten Petruskirche mit einband und erreichte so in dem Doppelquartett mit den hellen Sopranstimmen eine zauberhafte Leichtigkeit. Insgesamt begeisterte die Kieler Dirigentin das Publikum mit fließenden Tempi und bewegt musikantischer Lockerheit, die es der Kantorei der Dankeskirche Holtenau erleichterte, dem üppigen und anspruchsvollen Chorpart mit guter Textpräsenz und Intonation, vor allem aber homogenem Stimmklang (besonders fein und klar: der Sopran) bestens gewachsen zu sein. Es gab nur ganz wenige kabbelige Strömungen in den polyphonen Chorsätzen und – abgesehen vom bestens aufgebrachten „Baal“-Geschrei – hätte allenfalls die Volksseele noch expressiver brodeln können.

Sontag tat gut daran, mit einer Erholungspause die stärker nach innen gekehrte Stimmung des Elias im zweiten Abschnitt hervorzuheben. Nicht nur hier zeigte das Solistenquartett seine großartigen Qualitäten: Hanna Zumsandes Sopran glänzte einerseits mit raumfüllender Strahlkraft, konnte aber genauso innige Verzweiflung vermitteln; Geneviève Tschumis golden glühender Alt erwärmte die Kirche immer wieder auf’s Neue; Mirko Ludwig lotete mit klarer Diktion sein Potential zwischen tenoraler Brillanz und Geschmeidigkeit aus; und der kurzfristig eingesprungene Christfried Biebrach lieh dem Elias mit großer Plastizität seine in allen Registern kernige Baritonstimme, die nur gegen Ende den enormen Herausforderungen der Partie etwas Tribut zollen musste. Als Knabenstimme trat Karoline Hengelhaupt mit reinem, silberfarbenem Sopran hervor. Einzelne Solisten aus dem Chor fanden zu kleinen, homogenen Ensembles zusammen. Das Projektorchester lieferte dazu eine schöne und bewegliche Klangkulisse. Einzig das links gebündelte Blech ließ seiner Lust, Mendelssohns herrliche Bläsersätze zu zelebrieren, mitunter allzu freien Lauf.

Die Petruskirche mit ihrer klaren und dennoch warmen Akustik ist als Aufführungsort wieder nutzbar – mit Einschränkungen: Selbstorganisation von Stühlen zur Aufstockung der deutlich reduzierten Platzanzahl, verkleinertes Podium und ein störend flirrendes Geräusch von den neuen Scheinwerfern. [Amke Boekhoff]

Kiel Weimarer Straße 54.358726 10.13606
Kiel Weimarer Straße
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