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Malen im Fluge

Armin Mueller-Stahl wird 85 Malen im Fluge

Im Dezember wird Armin Mueller-Stahl 85 Jahre alt und der Kreis Ostholstein würdigt seinen Ehrenbürger, der in den USA und an der ostholsteinischen Küste zuhause ist, am Sonnabend mit einem Festakt. Gleichzeitig widmet das Ostholstein-Museum dem gebürtigen Ostpreußen eine Ausstellung.

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Armin Mueller-Stahl vor emotional geprägten Ölgemälden: links „Gebet“, rechts „Trauer muss Elektra tragen“ von 2014.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Nach 2005 und 2010 ist es die dritte Geburtstagsschau für den Allroundkünstler, der als Schauspieler, Schriftsteller, Musiker und Maler erfolgreich ist. Weil man sich nicht wiederholen will, hat sein langjähriger Galerist und Weggefährte Frank-Thomas Gaulin sich mit Co-Kuratorin und Museumsleiterin Julia Hümme vornehmlich auf Arbeiten konzentriert, die in den letzten fünf Jahren entstanden sind.

Der Titel der Schau Die Jahre kommen, die Jahre gehen... zitiert die erste Zeile eines Heine-Gedichtes. Mueller-Stahl hat die Worte handschriftlich neben einem abstrakten Porträt notiert, das „einen alten Zausel“ zeigt. „In meinem Alter stelle ich fest, dass die Zeit sehr schnell vergeht. Rückwärts gesehen ist das Leben sehr kurz“, so der Künstler, der sich am Dienstag geduldig und freundlich den Fragen der Journalisten stellte, obwohl er bald zugibt, dass Interviews für ihn „eine Tortur“ bedeuten. Zu viele davon wird er in seiner langen, facettenreichen Karriere gegeben haben und seine Kunst erklären mag er eigentlich gar nicht.

Beim Rundgang durch die Schau, die das Thema Mensch in den Mittelpunkt stellt, fällt ihm jedoch so mancher Kommentar ein zu seinen Bildern, die meist spontan und rasch entstehen. Zum Papier hat er ein besonderes Verhältnis, tuscht sparsam gehaltene Skizzen auf Drehbuchseiten oder auf die Buchseiten eines alten Lexikons („dieses Papier hat eine Geschichte, die man spürt“). Bei seinen Porträts arbeitet er nach Fotografien, die er meist verändert, um „das Gesicht hinter dem Gesicht zu zeigen. Denn auch das Positive hat seine negative Seite und umgekehrt.“

Mit Tusche und Pinsel arbeitet Armin Mueller-Stahl schnell und viel. „Der einzige Ort, wo ich wirklich fliegen kann, ist das Malen“, sagt er irgendwann. Der Satz ist ihm wichtig. „In all meinen anderen Berufen gibt es Abhängigkeiten, beim Malen ist das anders.“ Der Zufall darf hier eine Hauptrolle spielen. „Wenn ich ein Bild beiseite stelle und die Farbe so verläuft, dass sich alles verändert, findet ich es oft besser als zuvor.“ Was ihn bewegt, fließt thematisch in seine Arbeit ein. Um Theaterrollen geht es, um Abschied und um Trauer, um das „Verlassen eines Landes“ oder das „Warten auf den Kriegsbeginn“.

Vergleichsweise heiter wirken farbintensive Kompositionen, die in ihrer Abstraktion ganz neue Wege beschreiten und einen rhythmisch strukturierten Malgrund in Szene setzen. Hinsichtlich dieser künstlerischen Entwicklung könne man den Ausstellungstitel nur positiv lesen, resümiert Julia Hümme, die das Museum für die Dauer der Schau ausnahmsweise nach Bedarf öffnen wird.„ Bei Armin Mueller-Stahl gibt es keinen Stillstand. Er ist ständig in einem Prozess und schafft immer wieder Neues. Mit ihm kann man erwartungsvoll auf das blicken, was kommt.“

Ostholstein-Museum, 29. November - 31. Januar. Mi-Fr 15-17, Sa, So / feiertags 11-17 Uhr. „Museum on Demand“ Mo-Do 11-17 Uhr (Einlass auf Klingeln), Katalog 10 Euro.

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