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Kantersieg im Heimspiel

Arne Jansen Trio im Kulturforum Kantersieg im Heimspiel

Fast zwingend reißt eine Gitarrensaite im vorletzten Stück. Eine massive Energieentladung namens Pilgrimage, die stellenweise klanglich an die französischen Prog-Rock-Veteranen Magma erinnert. Arne Jansen gibt Drummer Eric Schaefer ein Zeichen. Der legt flugs mit einem spontanen Schlagzeug-Solo los, das ein vorheriges an Ideenreichtum sogar noch übertrifft.

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Spontane Vielfalt

Agierten nahezu symbiotisch: von links Eric Schaefer, Robert Lucaciu und der gebürtige Kieler Arne Jansen.

Quelle: mwe: Manuel Weber

Kiel. Nach dem fixen Saitenwechsel backstage kehrt Jansen zurück und stimmt sein Instrument, während Schaefer noch immer die Sticks fliegen lässt, und zusammen mit Kontrabassist Robert Lucaciu steigen sie dann einfach wieder ein ins Stück. Tosender Beifall und Begeisterungspfiffe im Kulturforum, einmal mehr.

 Allerdings im nicht ganz ausverkauften Saal, was ein wenig verwundert. Schließlich ist Jansen, der in Berlin lebt, ein gebürtiger Kieler Jung (was einige im Publikum offenbar gar nicht wussten) und in Flensburg aufgewachsen. Und ist der 40-Jährige für das Album The Sleep Of Reason – Ode To Goya (2013), von dem das eingangs erwähnte Pilgrimage stammt, 2014 mit dem Jazz Echo in der Kategorie „Gitarre national“ ausgezeichnet worden. Und außerdem ist das Trio mit einem neuen Album auf Tour: Nine Firmaments, das erst am 14. Oktober erscheint

 Lauter gute Gründe also für einen Konzertbesuch, und der ist absolut lohnend. Das Trio agiert nahezu symbiotisch. Jansen bevorzugt auf den Saiten einen singenden Ton. Manchmal allerdings so brachial (hier kommt seine frühe Hendrix-Affinität zum Tragen, manchmal klingt es auch nach Indie-Rock), dass sich mancher im Publikum verstohlen den Finger ins Ohr steckt. Schaefer mit seinem gewohnt weit offenen, scharfen Schlagzeug-Sound und der auf den Saiten ebenfalls ungeheuer beweglich agierende Lucaciu folgen Jansen hier genauso elastisch wie bei den leiseren, lyrischen Parts, die teils von exquisiter Zartheit sind.

 Auch die meisten neuen Stücke wie The Three Of Us, Here We Go oder Deep Wood zeigen – trotz Jansens klarem Bekenntnis zum Melodischen, Ästhetischen – eine gewisse Schartigkeit, etwas Kantiges, Eckiges im Sound, etwas Sperriges im Arrangement. Leichte Kost ist das hier beileibe nicht, sondern zumeist fordernd. Selbst in ruhigeren, kontemplativeren Passagen ist eine gewisse Nervosität, ein unterschwelliger Druck spürbar. Eine Schwebe, die verstärkt durch die drohenden Eruptionen und extrem gelungenen Breaks eine immense Spannung erzeugt. Vielleicht noch ein Stück herausragend aus dem fantastischen Set: Das sehr atmosphärisch beginnende Doppel aus dem getragenen, klassisch anmutenden It’s About Night und dem erhabenen He Who Counts The Stars mit Jansens repetitivem Spiel, Schaefers sanft über die Felle schubbernden Besen und Lucacius eloquentem Bass, oft als melodieführendes Instrument.

 „Es bringt sehr viel Spaß“, sagt Jansen gegen Ende schon zum zweiten Mal. Unübersehbar. Uns auch. Kantersieg im Heimspiel.

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