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Der Komödie die Ehre erwiesen

"As’n Wulk in’n Wind" im Theater am Wilhelmplatz Der Komödie die Ehre erwiesen

Amor meinte es wohl nicht sonderlich gut mit dem erfolgreichen Bauern Wilhelm Eilers. Warum hätte seine Frau Ursel den smarten Agrar-Unternehmer sonst wegen eines anderen Kerls verlassen? Selbst nach zehn Jahren blutet Wilhelm immer noch das Herz.

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Komödie kreuzweise: von links Frederike Meier, Heike Börgert, Peter Maaß, Ingo Büchmann und Sven Bohde.

Quelle: Cynthia Rennenberg

Kiel. Das ist die Grundsituation für As’n Wulk in’n Wind von Ingo Sax, das Christoph Munk wirkungssicher, dabei sensibel in Szene gesetzt hat. Am Wochenende feierte die leise Komödie im Theater am Wilhelmplatz Premiere.

 Irgendwann sagt Wilhelm (Ingo Büchmann) mit großer Verbitterung zu seinem Sohn Niels (Sven Bohde): „Wenn du verliebt bist, denkst du, die Welt ist voller Blumen und Sonnenschein...“ Genau diese entrückte, immer aber auch trügerische Sicht durch die amourös gefärbte Brille strahlt überdeutlich auf der von Ann-Christin Urbarz gestalteten Bühne. Ländliche Idylle? Alles Oberfläche. Denn dahinter offenbart sich das düstere Innenleben von Wilhelm nur um so deutlicher. Der Verlassene hat es sich eingerichtet in seiner Frustration. Er arbeitet nur noch, ist unnahbar und glaubt, seiner schmerzenden Situation damit Herr geworden zu sein. Daran können auch die resolute Haushälterin Lilo (Susanne Frenzel), der altersweise Straßenvagabund Harm Rickertsen (Peter Maaß) und Niels zunächst wenig ändern. Wie brüchig diese emotionale Verteidigungslinie allerdings ist, zeigt sich, als die attraktive Camperin Christine (Heike Börgert) mit ihrer liebreizenden Tochter Aglaja (Frederike Meier) aufkreuzt, weil sie hier ein paar unbeschwerte Tage im Zelt verbringen möchte.

 Und dann kommt’s, wie es in der Komödie kommen muss, in diesem Fall allerdings über Kreuz. Zum Missvergnügen seines Vaters bandelt Niels nämlich mit der wesentlich älteren Christine an, während Papa Wilhelm selber immer mehr Gefallen an der jungen Aglaja findet. Christoph Munk nimmt die Komödie ernst und vertraut der Wirkung der zwar arg konstruierten aber dennoch irgendwie charmanten Handlung. Dabei hilft ihm ein frisches, sehr gut disponiertes Ensemble, welches darstellerisch glänzen und die Pointen satt ausspielen darf, der guten Komödie, die ja immer mehrfarbig ist, durch Vermeidung rollentypischer Klischees aber die Ehre erweist. Klamotte war gestern, schön so etwas zunehmend in der der Niederdeutschen Bühne Kiel zu sehen.

 Theater am Wilhelmplatz, Do. + Fr. 20; Sa. + So. 18 Uhr. Kartentel. (0431) 901 901. www.niederdeutschebuehne-kiel.de

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