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Astrid Großgasteiger wird Leiterin

Theater im Werftpark Astrid Großgasteiger wird Leiterin

Es sind große Fußstapfen, in die die zierliche Astrid Großgasteiger am Kieler Theater im Werftpark tritt: Die Kieler Kinder- und Jugendtheatersparte genießt bundesweit einen guten Ruf. Entsprechend war die Bewerberlage. Und entsprechend sind die Erwartungen an die 34-Jährige, die zur Spielzeit 2016/17 als Nachfolgerin von Norbert Aust aus Salzburg in den Norden wechselt.

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Nachfolge geregelt: Astrid Großgasteiger übernimmt 2016 die Theaterleitung im Werftpark von Norbert Aust.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Man mag es ja kaum glauben, aber Norbert Aust hat vor gut 30 Jahren auch mal so jung angefangen, schmunzelt Generalintendant Daniel Karasek. Mittlerweile gilt er als „König von Gaarden“, und auch sein Neptun-Kostüm dürfte ein paar Nummern zu groß sein für die Nachfolgerin, die erstmals zu Silvester das Kieler Terrain erkundet hat, um hier künftig ihren eigenen Weg zu gehen: „Man hat hier ein eigenes Haus, einen Park einen Stadtteil, um Theater zu machen“, freut sie sich nach mittlerweile fünf Jahren am Landestheater Salzburg. Dort führte sie zwar kein eigenes Haus und lange keine eigenständige Sparte, dafür guckte sie neue Spielorte vom Museum bis hin zum Krankenhaus aus und entwickelte spannende Projekte. „Sie hat es vermocht, das junge Publikum in allen Sparten zu erreichen, mit künstlerischem Anspruch, Humor und Kreativität“, sagt der Salzburger Intendant Carl Philip von Maldeghem: „Insbesondere auch die Formate mit Bürgerbeteiligung haben starken Eindruck gemacht und Haltung gezeigt“. Ob nun märchenhaftes Tanztheater, ein zeitkritisches Stück über die Finanzwelt mit Laienbeteiligung oder auch die theatrale Vermittlung der „Fremde-Heimat“-Problematik an Orten mitten im städtischen Geschehen – die Kritiken bestätigen Engagement, Vielseitigkeit und Experimentierfreude, die Astrid Großgasteiger immer wieder sparten- und formübergreifend ausgelebt hat. „Mit ihrer engagierten und frischen Art wird sie das Theater im Werftpark als feste Instanz im Bereich Kinder und Jugendtheater in Deutschland weiter etablieren und ausbauen“, ist sich Daniel Karasek sicher.

 Die künftige Chefin im Werftpark, Tochter einer Niedersächsin und eines Osttirolers, studierte in München Theaterwissenschaft, Pädagogik und Ethnologie, hospitierte und assistierte währenddessen schon in München, Australien und Indien. Seit 2009 am Salzburger Landestheater, wurde sie bereits zwei Jahre später Hausregisseurin und nahm sich Lessings Minna von Barnhelm oder Juli Zehs Der Kaktus genauso vor, wie die Kinderklassiker Der kleine Prinz oder Das Dschungelbuch. Mit der Salzburger Bürgerbühne schuf sie 2012 ein partizipatives Format, das die Bürger als Zeugen des Alltags selbst mit auf die Bühne bringt. Und das ihr auch im Kieler Gespräch sehr am Herzen liegt. Ebenso wie aktuelle soziale und politische Themen von der Flüchtlingspolitik bis zur Occupy-Bewegung. Zu Beginn dieser Spielzeit übernahm Astrid Großgasteiger in Salzburg die neue, dort integrierte Sparte „Junges Land“, die sie auch durch Ballett- und Musiktheaterprojekte profiliert: „Ich wollte viel und durfte viel“, sagt die flexible 34-Jährige. Und Kiel? „Im Moment geht viel in meinem Kopf herum“, aber erstmal will sie in Ruhe eintauchen, schauen, Kontakte knüpfen ... Im Werftpark wurde sie in ihrer offenen Art bereits freundlich begrüßt, Norbert Aust spricht spontan von einem „guten Griff“ und auch einer logischen Konsequenz seiner regen Zusammenarbeit mit Regisseurinnen.

 In der kommenden Spielzeit wird Astrid Großgasteiger bereits ihre Projekte für 2016/17 entwickeln – überwiegend von Salzburg aus, bevor sie dann 2016 in den Norden zieht. Und sicher auch hier die nicht nur jungen Zuschauer verstärkt zu aktiver Beteiligung, zum Einmischen auffordern wird. „Das Theater steht fantastisch da“, lobt auch sie die anerkannt gute Basis ihrer neuen Herausforderung. Ja, und den Park drumherum.

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion