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Atmosphärischer Leseabend

Hannelore Hoger Atmosphärischer Leseabend

Hannelore Hoger las im Rahmen des dänischen Literatursommers im Kieler Kulturforum, begleitet vom Hamburger Pianisten Siegfried Gerlich. Der Auftritt war ein Geschenk.

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Hatte Freude am Wortwitz Hans-Christian Andersens: Hannelore Hoger.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Munteres Stimmengewirr drang aus dem vollbesetzten Kulturforum, wo am Donnerstag die letzte und größte Kieler Veranstaltung des dänischen Literatursommers stattfinden sollte. Hannelore Hoger wurde zur Lesung erwartet, musikalisch begleitet von Siegfried Gerlich. Als Duo sind die Schauspielerin und der Pianist aus Hamburg dem Kieler Publikum in bester Erinnerung, zuletzt waren sie 2008 auf Einladung von Eckart Cordes im Kulturforum zu Gast. „Der Auftritt der beiden ist ein Geschenk, das wir dem Publikum aber auch uns selbst angesichts des 20. Jubiläums des Literatursommers machen“, so Sara Dusanic vom Literaturhaus, verantwortlich für die gelungene Veranstaltungsreihe, die sich in diesem Sommer in Kiel großer Publikumsresonanz erfreute.

Frau Hoger fühlte sich in der Rolle der Geschenküberbringerin sichtbar wohl, setzte sich nach einem musikalischen Intro ihres Begleiters auf einen durch einen Kissenstapel bestens gepolsterten Bühnenstuhl und machte vor der Lesung nicht viele Worte. „Es sollte Literatur aus Dänemark sein. Ich habe mich für eine Erzählung von Tanja Blixen und Märchen von Hans-Christian Andersen entschieden“, so die Schauspielerin. Von Blixen hatte sie Der Ring ausgesucht – eine geschickte Wahl, denn die Geschichte, die so harmlos beginnt, passt auf bedrückende Weise in die Gegenwart. Sie handelt von einem frisch verheirateten Paar, das sich selbstgenügsam seiner jungen Liebe erfreut. Als die naive Lies ihren Gatten eines strahlenden Sommermorgens zu seinem Schafen begleitet, erfährt sie von einem Schafsdieb, der auf seiner Flucht einen Mann ermordet hat. Auf ihrem Heimweg trifft sie den jungen, mit einem Messer bewaffneten Flüchtigen – eine zerlumpte, von Hunger und Verzweiflung gezeichnete Gestalt. In einer wortlosen Szene bietet Lies ihm ihren Ehering als Pfand für ihr Leben an. Er lehnt das Opfer ab und als sie geht, lässt sie den Schmuck zurück. Die beklemmende Begegnung behält sie für sich, denn für einen Moment wähnte sie sich „dem Elend und der Verzweiflung angetraut.“

Um die sensible Geschichte sacken zu lassen, schien eine zuvor angekündigte Pause angebracht. Danach ging es heiter-besinnlich weiter mit Andersen. Mit Spaß an der Fabulierfreude und dem Wortwitz des dänischen Erzählers las Hoger von der Hirtin und dem Schornsteinfeger, die ihrem Dasein als Porzellanpüppchen durch eine kühne Flucht von ihrem Podest zu entkommen suchen, gefolgt von der berühmten Geschichte Der standhafte Zinnsoldat. „Ist das schön“, seufzte es angesichts ihres lebhaften Vortrags hier und da aus dem Publikum, das sich am Ende mit begeistertem Applaus für den atmosphärischen Abend bedankte.

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