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Santiano: Im Herzen verankert

Auftritt in Kiel Santiano: Im Herzen verankert

„Hallo Kiiiieeel – schön, wieder bei euch zu sein!“ Santiano, die Shantyrockstars von nebenan machten für einen Abend in Kiel fest und feuerten mit einer perfekten Show eine Breitseite guter Gefühle in die nahezu ausverkaufte Sparkassen-Arena.

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Santiano, die Shantyrockstars von nebenan machten für einen Abend in Kiel fest und feuerten mit einer perfekten Show eine Breitseite guter Gefühle in die nahezu ausverkaufte Sparkassen-Arena.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Meeresrauschen, Möwengeschrei, Warten. „Over The Rainbow“ (in der Version von Israel Kamakawiwoʻole), Santiano in Sichtweite, Warten. Dann endlich fällt der Vorhang und die Herren Both, Hinrichsen, Sage und Stosberg eröffnen die Show mit „Lieder der Freiheit“, Titelsong des aktuellen Albums, der auf der bekannten Melodie von Mike Oldfields „To France“ basiert. Als Bühnenkulisse dienen die mit Drachen versehenen Bugs zweier Wikingerschiffe, in deren Mitte Schlagzeuger Marco Möller auf einem Podest thront. Man sieht, dass die Band in puncto Show und Inszenierung nochmal eine Schippe draufgelegt hat. Der Sound steht von Anfang an, jeder Song hat eine eigene Lichtstimmung, die Musiker wechseln ihre Positionen, es gibt Pyroeffekte und Videountermalung. Dazu die bewährte Mischung aus Rock, Folk, Shantys und Balladen.

Das Publikum hält es nicht lange auf den Sitzen, denn die Songs sind sauber durchkomponiert, rhythmusbetont und mit catchy Refrains versehen.

Klingt fast ein bisschen glatt, ist es aber nicht, denn eine Show, die durch ausverkaufte Hallen im deutschsprachigen Raum führt, muss rund laufen, aber die Typen bleiben kantig. Und zeigen Haltung, so lässt es sich Sänger und Bassist Björn Both nicht nehmen, den „IS-Arschlöchern“, aber auch den „Idioten, die vor allem montags auf die Straße gehen“, ein paar deutliche Worte zukommen zu lassen. „Die Freiheit stirbt ganz leise“, gibt er zu bedenken, bevor die Jungs mit „Frei wie der Wind“ einen zig tausendfachen Chor erschaffen. Geiger Pete Sage ist gesanglich und natürlich mit den Saiten seiner Fiddle für viele Traditionals wie „Land Of Green“ oder „Irish Rover“ der Mann der Wahl, während Gitarrist „Timsen“ Hinrichsen als quasi Muttersprachler Knut Kiesewetters Lied „Fresenhof“ inklusive Anmoderation op Platt darbietet.

Björn Both von Santiano an der Gitarre.

Quelle: Björn Schaller

Groß ins Licht gesetzt wird Björn Both im neuen Song „Weh mir“, der insgesamt etwas über(bal)laden gerät. Ist aber der Auftakt für die schwermütigeren Songs des Abends wie das nordisch-keltische „Rungholt“, für den Percussionist und Sänger Axel Stosberg die Schlägel an den Pauken schwingt; Both gibt dazu eine kurze Didgeridoo-Einlage. Die Bühne und die Schiffe entflammen schließlich zu „Kaperfahrt“, bis der dahin geschiedene Kamerad „Auf letzte Fahrt“ geht.

Zu „Gott muss ein Seemann sein“ darf man sich dann den Kloß aus dem Hals brüllen, das folgende „Rollin The Woodpile“ zielt mit seiner leicht orientalischen Rhythmik genau aufs Tanzbein und zeigt bei vielen die dementsprechende Wirkung.

Zu erwähnen sind auch unbedingt Arne Wiegand an Keyboard und Akkordeon sowie Dirk Schlag an der Leadgitarre, der sich mit Pete Sage im Country-Song „Diggy Liggy Lo“ ein virtuoses Duell liefert.

Beginnend mit einem Akustik-Set und endend mit der mit nachdenklichen Worten angekündigten Heimat-Hymne „Hoch im Norden“ krönt der Zugabenblock ein gut inszeniertes Spektakel mit Ballons, Konfetti und Lichtermeer, auf dem die Santiano tatendurstig weitersegelt.

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