18 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Aus dem Wilden Süden: Patricia Vonne

Konzert in Schönberg Aus dem Wilden Süden: Patricia Vonne

Kurz vor Konzertbeginn zeichnet die Kulisse im gut besuchten Schönberger Hotel am Rathaus ein so merkwürdiges wie schönes Bild. Vor einem schweren Samtvorhang unter einer rustikalen Holzdecke warten ein alter Vox-Verstärker, ein wundervoller Hofner- Violin-Bass, ein klassisches Ludwig-Schlagzeug, eine Gibson Akustik- und eine Rickenbacker-E-Gitarre würdevoll auf ihren Einsatz.

Voriger Artikel
Kostümierte Ekstase
Nächster Artikel
Junge Choreographien in der Salzhalle

Atemberaubender Besuch aus Texas: Patricia Vonne brachte im Hotel Restaurant am Rathaus mit ihrer Band das Publikum zum Toben.

Quelle: Björn Schaller

Schönberg. Doch was aussieht wie das Set up für ein frühes Beatles-Konzert sollte mit den Pilzköpfen musikalisch so wenig zu tun haben wie eine Tasse Earl Grey mit einem anständigen Tequila.

 Denn umgeben von den drei furios aufspielenden Herren ihrer Band schickte sich die Texanerin Patricia Vonne an, den Gästen in diesem gediegenen Ambiente gehörig die Sporen zu geben und ihnen einen feurig brodelnden Tex-Mex Eintopf zu servieren, der wohl noch lange auf der Zunge prickelt.

 Und das Musik gewordene Road-Movie startet die Sängerin, Schauspielerin und Schwester von Hollywood Regisseur Robert Rodriguez mit Dark Mile, einer fiebrig-feschen Mixtur aus Countryrock und spanischer Folklore. Stimmlich verführt Vonne nicht nur bei diesem Song mit der entwaffnende Verbindung von glasklar aber nicht schrill intonierten Höhen und einer mit wohl dosierter Ruchlosigkeit belegten Mittellage. Ähnlich packend klingt auch Que Maravilla, bei dem die Frontfrau wie bei vielen anderen Liedern dieses Abends auf spanisch singt und elegant die Kastagnetten schwingt. Auch wenn man dabei nicht an das von engem schwarzem Leder umhüllte Zorro-Biest „Dallas“ denkt, dass die Sängerin in den beiden Sin City-Film-Hits verkörpert, muss man attestieren, dass Patricia Vonne nicht nur sexy aussieht, sondern ebenso musiziert. Dabei rührt die Frau aus Austin Texas ungeniert auch klassischen Memphis-Rock 'n' Roll (Mudpies), zugkräftigen Old School Rockabilly (Doghouse) oder auch perlenden Jazzrock (Sax) in ihre aufregende Südstaaten-Tinktur.

 Unterstützt von einem anständigen Sound und getragen von herausragenden Musikern mit erlesenen Instrumenten gehen die überwiegend klassischen Arrangements herzerfrischend authentisch, erdig und kernig über die Bühne. Da ist es kein Wunder, dass der eher an Strand- denn Wüstensand gewöhnte Norddeutsche zunächst etwas verschämt (Amarillo) aber dann mit zunehmenden Elan (Hot Rod) das Tanzbein in Richtung 1. Mai schwingt. Nach der breitschultrigen Stimmungs-Granate Rebel sitzt dann keiner mehr auf seinem Platz. Mit stehenden Ovationen bedankt sich das Publikum für den atemberaubenden Besuch aus dem Wilden Süden des Rock 'n' Roll.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
ANZEIGE