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Aufbruch aus Trümmern

Ausstellung Kiel Aufbruch aus Trümmern

Das Stadtmuseum zeigt zur Kieler Woche Bilder und Zeichnungen von Hans Rickers. Er war Chronist von Kriegszerstörung und Wiederaufbau. Er sah die Stadt in Trümmern liegen, hielt fest, wie sie neue Gestalt annahm und fand als Künstler der „verlorenen Generation“ noch spät den Zugang zur Abstraktion.

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Das Stadtmuseum zeigt zur Kieler Woche Bilder und Zeichnungen von Hans Rickers.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Dem Maler Hans Rickers (1899-1979) widmet das Kieler Stadtmuseum 70 Jahre nach Kriegsende seine Ausstellung zur Kieler Woche. Sehenswert, weil sie nicht nur einen Künstlerweg nachzeichnet, sondern auch die Beziehung zu seiner sich nach dem Krieg rasant wandelnden Stadt in den Fokus nimmt.

 Modern, gegliedert, und aufgelockert – die von Oberbürgermeister Andreas Gayk formulierte Vision des Aufbaus wird in den Zeichnungen, Pastellen, Holzschnitten und Ölbildern anschaulich und offenbart eindrucksvoll die Qualitäten dieses Künstlers, der nach dem Kriegsdienst auch vor den Trümmern seines eigenen Lebens stand: Wohnung in der Moltkestraße und Atelier in der Feldstraße wurden in den letzten Kriegsjahren durch Bombenangriffe vollständig zerstört. Der größte Teil der frühen Ölbilder und Plastiken war verloren. Eines der Pastell-Aquarelle in stumpfer, grau- bis brauntoniger Farbigkeit richtet den Blick von der unteren Feldstraße auf Höhe der Lornsenstraße in Richtung der ehemaligen Marinekasernen am Langen Segen.

 Das Blatt ist eines von 24 weiteren, die auf Initiative Andreas Gayks von der Stadt Kiel angekauft wurden. Unter anderem dem Engagment des kunstsinnigen Oberbürgermeisters für die notleidenden Künstler seiner Stadt verdankt Doris Tillmann einen reichen Fundus an Werken von Hans Rickers. Der wuchs noch, als in den Achtzigerjahren Teile des Nachlasses hinzukamen. „Wir konnten die Ausstellung bis auf drei Leihgaben des Kieler Studentenwerks vollständig aus eigenem Bestand bestreiten“, sagt die Direktorin des Stadtmuseums, die mit ihrem Kuratorenteam die Ausstellung chronologisch gehängt hat und den stilistischen Aufbruch in die Abstraktion der Siebzigerjahre nachvollziehbar macht.

 Das Hauptaugenmerk aber liegt auf den Städtebildern. Schon die düsteren, dabei locker hingeworfenen Trümmerbilder der ersten Nachkriegsjahre offenbaren den spontanen, leichten Strich des Zeichners, dem es nicht um topgrafische Genauigkeit oder Detailtreue ging, sondern stets das Atmosphärische im analytischen Blick behielt. Im Archiv unserer Zeitung findet sich eines der wenigen Zitate des Künstlers, der als Einzelgänger galt, aber den Kontakt und den Zusammenschluss mit Künstlerkollegen suchte: „Ich bekenne mich zu einer modernen Kunstauffassung, deren Voraussetzungen man sich erarbeiten muss. Bis auf den heutigen Tag halte ich viel vom Naturstudium.“

 Aus solch genauer Beobachtungsgabe, in der sich das Wesentliche kristallisiert, sich in Farbflächen gliedert oder rhythmisch staffelt, speist sich das Werk. Noch beinahe idyllisch und fast eine Spur mediterran sind seine Motive der Fünfzigerjahre mit Bootshafen und Schwentinemündung und befreiter, sichtlich urbaner die beiden großen Hauptwerke Kiel bei Tag und Nächtliches Kiel aus dem Jahr 1968. Das Stadtmuseum hinterlegt die Bilder und Zeichnungen zudem mit drei Medienstationen und einem Großdia. Fotografien, die das Maß der Zerstörung und die rasante Trümmerbeseitigung dokumentieren.

 Aufschlussreich ist zudem der Ausschnitt eines Rundfunk-Interview des NWDR mit Andreas Gayk, das 1952 geführt wurde. Nachzuhören an einer der Medienstationen, wo die Kiel-Bilder von Magnussen und Urbahns anschaulich machen, wie sich Kiel aus kleinteiliger Enge hin zu jener modernen verkehrsgerechten Stadt wandelte, mit der manche heute hadern.

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