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Große Skulpturen, kleine Formate

15 Jahre Herbert-Gerisch-Stiftung in Neumünster Große Skulpturen, kleine Formate

Mit einer gelungenen Jubiläumsschau aus eigenem Bestand feiert die Herbert Gerisch-Stiftung ihr 15-jähriges Bestehen. „Wie es uns gefällt“ lautet der Titel frei nach Shakespeare, schließlich orientiert sich die private Sammlung an den Vorlieben des Stifter-Paares.

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Auch das Wohnzimmer ist geöffnet: Brigitte Gerisch mit einem Portrait ihres verstorbenen Mannes von Johannes Grützke und einem Löwen, den Herbert Gerisch erlegt hat.

Quelle: bos: Björn Schaller

Neumünster. „Die Anregung, unsere Sammlung zu zeigen, stammt von Christoph Brockhaus“, erzählt Brigitte Gerisch. Nach anfänglichem Zögern wurde die Idee des Stifungsrat-Mitglieds, einst Direktor des Wilhelm Lehmbruck Museums Duisburg, umgesetzt. „Wir haben aus allen Ecken unsere Arbeiten zusammengesucht und am Ende konnten wir gar nicht alles unterbringen.“ Tatsächlich wird mit 150 Exponaten gerade mal die Hälfte der Sammlung präsentiert. Die Bandbreite ist beträchtlich: Von Max Ernst bis Jörg Immendorff, vom konstruktivistischen Objekt bis zum quietschgrünen Kunststoffkalb reicht der Querschnitt der von Claus Friede eingerichteten Schau.

 „Aus einer anfänglich emotionalen Beziehung zur Kunst ist längst Sachverstand geworden“, so der künstlerische Leiter der Stiftung. Romantische Blumenbilder, in den Anfangsjahren erklärte Lieblinge von Brigitte Gerisch, hat er im Café der Villa Wachholtz untergebracht. Im Obergeschoss erwartet den Besucher eine anregende dialogische Präsentation von Bildern und Kleinskulpturen, darunter eine Schenkung skulpturaler und grafischer Arbeiten aus dem Werk von Norbert Prangenberg (1949-2012). Papierarbeiten von Sandro Chia und Mimmo Paladino stehen einer figürliche Bronze von Markus Lüpertz gegenüber, eine farbig gefasste Holzskulptur von Manfred Sihle-Wissel wird mit Arbeiten von Pjotr Nathan und der computergenerierten Fotoarbeit einer architektonischen Weltkugel von Till Nowak konfrontiert.

 Hingucker auf der Galerie ist eine skurrile fotografische Inszenierung von Anja Jensen, die Herbert Gerisch und seine Frau nebst Löwen beim Picknick im Wald zeigt. Der im Frühjahr verstorbene Stifter ist mehrfach präsent, unter anderem hängt sein von Johannes Grützke gemaltes Porträt im Wohnzimmer von Brigitte Gerisch, die für die Schau erneut einen Teil ihrer Privaträume geöffnet hat. Der Gang durch die Ausstellung ist für sie gleichbedeutend mit einem Rückblick auf die letzten 15 Jahre. „Am Anfang war alles noch sehr beschaulich“, erinnert sie sich an die Gründung der Stiftung – damals mit dem Ziel, eine auf Zuwachs konzipierte Skulpturensammlung aufzubauen. „2001 wurden in unserem Garten noch die Hühner gefüttert.“ Der Wendepunkt sei 2007 mit der Zustiftung der Villa Wachholtz durch die Stadt gekommen. „Wir bekamen die Auflage, das Haus und den historischen Harry Maasz-Garten wiederherzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bis dahin hatten wir nur geübt. Danach wurden wir Teil des Kulturbetriebs.“

 Mit den wechselnden Ausstellungen wuchs die Sammlung. Gemälde, Mappenwerke und Objekte der ausstellenden Künstler wurden angekauft, zu den Großskulpturen im Park gönnte das Paar sich gern das eine oder andere Pendant im kleinen Format. Letztere haben neben Grafiken und Gemälden in der Galerie Platz gefunden, darunter eine Bastelbogen-Skulptur von Horst Antes, die romantischen Kissing Birds von Menashe Kadishman oder jenes giftgrüne Rentierbaby von Carsten Höller, das zusammen mit vielen anderen Exponaten beweist, wie sehr Sammlung und Sammler sich im Laufe der Jahr entwickelt haben.

 Gerisch-Stiftung, Brachenfelder Str. 69, Neumünster. Bis 23. Dezember. Mi-So 11-18 Uhr

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