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Eine Leuchte im Licht der Kunst

Plöner Kulturforum Schwimmhalle Eine Leuchte im Licht der Kunst

Eine kreisrunde Fußplatte aus silbrig schimmerndem Metall, darüber ein zylinderförmiger schlanker Hals und eine Kuppel aus opakem Glas: So schlicht wie perfekt ist das Design der knapp 30 Zentimeter hohen Wagenfeld-Leuchte, benannt nach ihrem Schöpfer Wilhelm Wagenfeld (1900-1990), der im Alter von gerade mal 24 Jahren Design-Geschichte im Bauhaus-Stil schrieb.

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Dieter Pape und Karin Wandelt vom Plöner Kunstverein mit künstlerischen Variationen rund um die edle Tischlampe.

Quelle: bos: Björn Schaller

Plön. Ihr internationaler Triumphmarsch, der sie in jedes Design-Museum und die Haushalte besser betuchter Bürger führte, ist bis heute ungebrochen, gilt sie doch als ideales Beispiel für die Einheit von Kunst und Technik. Die Sommerausstellung im Kulturforum Schwimmhalle Schloss Plön präsentiert die viel Gepriesene in künstlerischen Bearbeitung. „Leuchte! Designikone im Licht der Kunst“ heißt die Schau aus der Sammlung des Bremer Unternehmers Walter Schnepel. Der Inhaber der Firma Tecnolumen, in der die Tischleuchte „WA24“ neben anderen Design-Klassikern bis heute produziert wird, hatte 25 Künstler um einen kreativen Umgang mit der leuchtenden Schönheit gebeten. „Dabei ging es nicht etwa um eine neue Dekoration sondern um eine Erweiterung des Objekts in Richtung Kunst“, so Dieter Pape vom Plöner Kunstverein. „Insofern zeigt diese Ausstellung, wie fließend der Übergang zwischen Kunst und Design sein kann.“

 So vielfältig wie eindrucksvoll sind die Ergebnisse des 1995 aus der Taufe gehobenen Projektes. „Die kann man nicht besser machen. Aber eine Lampe kann man immer brauchen“, wird in großen Lettern der Schweizer Fluxuskünstler Dieter Roth zitiert. „Roth hatte sich Schnepels Anfrage zunächst verweigert“, erzählt Pape. „Doch dann hatte er eine Idee.“ In einer raumgreifenden Installation, in der sich auf ruppigem Holzgerüst Alltagsdinge vom zerbeulten Blechblasinstrument über ein Fahrrad bis zum Farbeimer stapeln, ließ er die Leuchte halb unter einem Hut verschwinden. Die Arbeit steht in der Stuttgarter Staatsgalerie und ist in Plön als maßstabsgetreue Fotoinstallation zu sehen.

 Wie bei Roth schwingt in den meisten Arbeiten der Respekt der Künstler vor der Vollkommenheit der Form mit. Valentin Rothmaler hat der Lampe einen rotweißen Rettungsring um den schlanken Hals gelegt, Ann Noël umgibt sie mit einem Paravent, beklebt mit den Logos gängiger Konsumgüter. Mit einem Fries aus Billigkugelschreibern behängt, überführt Aldo Mondino den zeitlosen Klassiker in die Ära plüschiger Fransenlampen, mit Korbgeflecht wild umwickelt, schafft Jochen Fischer den Gegenentwurf zu ihrer sonst so klassischen Kühle.

 Weit beherzter sind andere vorgegangen, haben WA24 kurzerhand auf den Kopf gestellt und in eine seltsam geborstene Skulptur integriert, mit fluoreszierender Farbe bemalt, mit dunklen Gitterwerk bekleckert oder in Fett frittiert. Eleganter hält es der Brite Richard Hamilton. Seine Schwarzweißfotografie mit dem Titel „Verkündigung“ zeigt eine unbekleidete Frau auf einem Sessel – am Ohr ein Handy. Auf einem Tisch neben ihr strahlt die Design-Ikone in überirdisch gleißendem Licht. So geht Understatement.

 Kulturforum Schwimmhalle Schloss Plön. Bis 28. August. Di-Sa 14.30 - 18.30, So 11.30 - 18.30 Uhr

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