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„Der Kopf macht schon etwas daraus“

Ausstellung „Der Kopf macht schon etwas daraus“

Zum 80. Geburtstag von Marianne Tralau widmet der Kunstverein Haus 8 ihr eine Austellung. "Professionelle Kritzelein" heißt diese, die eine Auswahl von Zeichnungen und Objekte der in Eckernförde lebenden Künsterlin zeigt.

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Mag motivische Wiedergänger: Marianne Tralau.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Das Haus vom Nikolaus sieht reichlich windschief aus. Vermutlich würde es umfallen, wäre da nicht das Strichmännchen, das sich mit der Kraft seiner dünnen Ärmchen gegen das drohende Unheil stemmt. Der Satz „Das Leben ist schön“, der unter der Zeichnung zu lesen ist, will nicht so recht zur Dramatik des Dargestellten passen. Genau diese Ungereimtheit mag Marianne Tralau.

Anlässlich ihres 80. Geburtstages widmet der Kunstverein Haus 8 ihr eine Ausstellung. Unter dem Titel Professionelle Kritzeleien zeigt die Künstlerin im Atelierhaus im Anscharpark eine Auswahl von Zeichnungen und Objekten, die einen Einblick in ein Ouevre geben, das sich der „Emanzipation der armen Dinge“ verpflichtet hat.

Marianne Tralau hat es gern einfach und wurde mehrfach für ihre Arbeit ausgezeichnet. „Der Strich auf Papier interessiert mich“, sagt die Tochter des Bauhaus- und Gropius-Schülers Walter Tralau. „Der Kopf macht dann schon etwas daraus.“ Gern versieht sie total nichtssagende Schnörkel mit langen, komplizierten Titeln. „Die Leute versuchen dann, in der Zeichnung etwas Bedeutsames zu entdecken, was es gar nicht gibt.“ Flink ist ihr zeichnerischer Strich, ausgeführt mit einfachem Graphit auf weißem Papier. Einige Motive tauchen über die Jahre immer wieder auf. Ein Kreis mit doppelt gekreuzten Linien etwa, ein Hase oder jenes oben beschriebene Haus vom Nikolaus. „Das ist mein künstlerisches Alphabet“, so die gebürtige Rostockerin.

Seit 15 Jahren wohnt Marianne Tralau in Eckernförde, wo sie bis 2008 eine Galerie und Kleinkunstbühne betrieb. Davor war Köln ihr Lebensmittelpunkt. Hier machte sie Anfang der 80er Jahre als Gründerin der Kaos-Galerie von sich reden, in der sie Kollegen die Gelegenheit gab, Performances und andere „unverkäufliche Kunst“ zu präsentieren, die sie im Video festhielt.

Kunstverein Haus 8, Kiel, Anscharpark, Heiligendammer Str. 15. Bis 6. Dezember (Finissage mit Künstlergespräch ab 15 Uhr), Do/Fr 15-18 Uhr und Sa/So von 14-18 Uhr

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