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Santiano: Ganz viel Dampf

Bad Segeberg Santiano: Ganz viel Dampf

„Eine Seefahrt die ist lustig 
/ Eine Seefahrt, die ist schön / Denn da kann man fremde Länder / 
Und noch manches andre sehn.“ Leider fand dieses charmante Kinderlied – nicht einmal als Leichtmatrose – einen Platz auf der Santiano, die am Sonnabend vor 9000 hingerissenen Zuschauern in der ausverkauften Kalkberg-Arena Bad Segeberg vor Anker ging. Obwohl es beim brausenden Konzert der fünf rockenden Seeteufel aus Norddeutschland doch im Wesentlichen um Eines ging: das reine Vergnügen.

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"The fiddler on the deck": Santiano mit Peter Sage, Björn Both, und Live-Band-Gitarrist Dirk Schlag.

Quelle: Thomas Richter

Bad Segeberg. Natürlich hat auch schon Achim Reichel vor gar nicht allzu langer Zeit dem hohen Potenzial eines anständigen Shantys erfolgreich Tribut gezollt. Aber die Art und Weise, mit der Santiano diese Musiktradition beackern, erweitern und – um im maritimen Sprachbild zu bleiben – mit viel Dampf zu neuen Ufern führen, zeigt starke Wirkung.

Zunächst einmal ist da die musikalische Qualität einer Band, bei der jedes Mitglied lange Musik macht und in verschiedenen anderen Formationen spielte und spielt. Das Handwerk stimmt also. Doch das Entscheidende am durchschlagenden Erfolg mit Santiano ist die in ihrer kompositorischen Kombüse mit viel Spaß und einer gehörigen Portion Chuzpe zusammengebraute Mischung aus Elementen, die für sich allein genommen schon für volksnahe und damit massentaugliche Unterhaltung stehen. Wirkungssicher frischen Rock, sogar ein Hauch Punk à la The Pogues, Pop, Weltmusik und eine starke Prise Irish Folk mischen den Shanty auf, ohne seine ureigene Melancholie, sein Pathos, sein mythisches Fundament, seine ewigen Geschichten von Fernweh und Heimkommen, Treue und Freiheit, Abenteuer und Behaglichkeit zu zertrümmern.

Man darf Hans-Timm Hinrichsen (Gitarre, Bass), Axel Stosberg (Percussion, Mundharmonika), Björn Both (Gesang, Gitarre), Andreas Fahnert (Gitarre) und Pete Sage (Akkordeon, Geige) also getrost den nötigen Respekt vor der Materie attestieren. Außerdem haben Santiano ein geschicktes Händchen für passend gestrickte Coverversionen, wie das ewige " Whisky In The Jar" oder auch das live ganz besonders ergreifende " Garten Eden", die deutsche Version des Simon & Garfunkel Hits " Scarborough Fair", eindrucksvoll bestätigen. Stark auch " All You Zombies" der Hooters als monumentale Hymne " Bis In Alle Ewigkeit" (Walhalla).

Der neue Longplayer „Von Liebe, Tod und Freiheit“, der erst in zwei Wochen offiziell erscheint, beinhaltet eine bemerkenswerte Fassung von Mike Oldfields Achtziger-Jahre Schätzchen " Get To France", das unter großem Jubel des Publikums am Kalkberg als " Lieder der Freiheit" glanzvolle Wiederauferstehung feierte. Selbstredend durften die originären Santiano-Gewächse in der mit bewundernswerter Verve über die Bühne gepfefferten Show nicht fehlen: Santiano, Blow Boys Blow, Californio, Männer mit Bärten, Es gibt nur Wasser, um nur Einige diese Mitsing-Kracher zu nennen.  " Gott muss ein Seemann sein" gehört auch in diese Liga. Ob das inhaltlich stimmt, muss natürlich an anderer Stelle entschieden werden. Klar ist jedenfalls, dass es über dem Kalkberg erst heftig zu regnen anfing, als die Zugaben verklungen waren.

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Glücksburg
Foto: Santiano: (v.l.) Pete Sage, Axel Stosberg, Björn Both, Andreas Fahnert und "Timsen" Hinrichsen bei der Albumpräsentation "Von Liebe, Tod und Freiheit"

Zack Ahoi, die Santiano sticht wieder in See. An Bord das dritte Album mit dem treffenden Titel „Von Liebe, Tod und Freiheit“. In Glücksburg am Ostseestrand präsentierten die fünf norddeutschen Shanty-Folk-Pop-Experten die dreizehn Songs des neuen Longplayers, der ab 29. Mai in die Fußstapfen der beiden erfolgreichen Vorgänger treten soll.

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