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Junge Choreographien in der Salzhalle

Ballett Kiel Junge Choreographien in der Salzhalle

Lange vor der Premiere ausverkauft war die alljährliche Kür der „Jungen Choreographen“ in der Salzhalle, eine Aufführung, die aus organisatorischen Gründen leider nur am Sonnabend wiederholt wird. Wer dabei war, konnte sich glücklich schätzen, denn die kurzweilige Stunde, in der sechs Mitglieder des Kieler Ballettensembles sich als Choreographen ausprobieren, erwies sich wieder einmal als kreative Wundertüte.

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Fesselnde Beiträge – hier getanzt von Marina Kadyrkulova, Alexey Irmatov und Sabina Faskhi.

Quelle: Olaf Struck

Kiel. In einer gelungenen Mischung der emotionalen Klangfarben reihte sich Dramatisches an Heiteres, Melancholisches an Poetisches. Die innere Zerrissenheit vor wichtigen Entscheidungen thematisiert Edward James Gottschall in Der letzte Schritt, einem Stück für sieben Tänzer. Ein schwarz gekleidetes Paar verleiht hier den emotionalen Amplituden zwischen Verzagtheit und wilder Entschlossenheit ausdrucksstarkes Profil. Flankiert und bisweilen wie an Fäden gelenkt wird das Duo von fünf Tänzerinnen in Weiß, deren verlangsamte, gedehnte Bewegungssprache einen spannenden Kontrast zu der explosiven Dynamik der Protagonisten bildet, in denen es selbst in seltenen Momenten des Gleichklangs zu brodeln scheint.

 Einen Einblick ins tägliche Training im Ballettsaal gibt Victoria Lane Green. Aus dem Stegreif nennt sie ihr knappes Stück zwischen Konzentration und Entspannung, in dem Keito Yamamoto die Anforderungen und Befindlichkeiten einer Tänzerin zwischen Spitzentanz und Akrobatik präsentiert. Emotional aus dem Vollen schöpft Margot de Andrade, die in Memória Bittersüßes über die Liebe beisteuert. Zu spanischer Gitarrenmusik von René Aubry spielen Edward James Gottschall und Taisia Muratore mit weichen, fließenden Bewegungen auf der Klaviatur großer Gefühle.

 Das anschließende Solo Eien- Ewigkeit, getanzt von Saya Komine, erinnert in seiner ausgestellten, gespreizten Körpersprache an ein kalligraphisches Zeichen in Bewegung (Choreographie: Yuka Higuchi). Bevor Anna Romanovas Soul.D mit bedeutungsschwer verdichteten, erzählerisch leicht überladenen Bildern über die Abgründe der Seele den Abend beendete, zündete Nikolaos Doede ein Feuerwerk heiterer Leichtigkeit zu drei bestens bekannten Beatles-Songs.

 Come Together erzählt von Männer und Frauen, die sich begegnen, umeinander werben, sich verlieben und manchmal verlassen. Während die Männer mit Spielwitz und unfassbarer Akrobatik die verknallten Deppen geben, werden sie von den Frauen in bunt getupften 60er-Jahre-Kleidern mit mädchenhaftem Charme und liebevoller Strenge an unsichtbarer Leine (vor-)geführt. Begeisterter Applaus.

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