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Schreiben und leben

Ballett Kiel Schreiben und leben

Eigentlich, findet Jana Pulkrabek, hätte man aus diesem Leben längst einen Film machen können. Das schwierige Verhältnis zum Vater, der vom Schreiben des Sohnes nichts hält und ihn lieber als Nachfolger in der Prager Firma sähe. Die Krankheit, die den jungen Mann schon früh trifft. Die Frauen, die ihn anzogen und ihm dann doch mehr als Ablenkung erschienen von seiner eigentlichen Berufung, dem Schreiben.

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Mischung aus Tanz und Spiel: Probe zu „Mythos Kafka“ im Theater Kiel.

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Kiel. „Er war ein Genie, das sehr weltlichen Kräften ausgeliefert war“, sagt die Theatermacherin, die selbst einen deutschen und einen tschechischen Pass besitzt und mit dem Ballett Kiel und einer Handvoll Schauspielern am Opernhaus gerade an ihrem Stück Mythos Kafka arbeitet. „Und wenn man in Kafkas Leben guckt, kann man sehr gut erkennen, was ihn zum Schreiben getrieben hat.“

 Das Stück über den Prager Schriftsteller (1883-1924) läuft zwar vorläufig nur im Altonaer Theater in Hamburg und gleich darauf beim Kopenhagener Stage Festival, es ist aber nach Mythos Marilyn (2012) bereits die zweite Kooperation von Jana Pulkrabek mit dem Kieler Ballett. Eine Mischung aus Tanz und Spiel, zu Musik unter anderem von Max Richter, entstanden als Beitrag zur 25-jährigen Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und Prag.

 Fünf Schauspieler, darunter Luiza Taras, und acht Tänzer stehen auf der Bühne. Die Regisseurin hat in Hamburg mit den Schauspielern geprobt, während Yaroslav Ivanenko nach dem gemeinsamen Konzept in Kiel die Choreografie erarbeitet hat. Am Opernhaus kommen die Teile in diesen Tagen zusammen. „Ich sehe selbst gerade erst, wie das zusammen wirkt“, sagt Jana Pulkrabek, die gern nach dem Montage-Prinzip arbeitet. „Ich hole mir auch so viele Sätze wie möglich aus den Originaltexten – und baue sie dann zusammen.“

 Alexey Irmatov tanzt Franz Kafka, der sonst nur aus dem Off als Stimme hörbar wird. Und auch die Frauen, die der Autor liebte, tauchen als Tänzerinnen auf, während die Familie und der Freund Max Brod von den Schauspielern verkörpert werden. Der Tanz entsteht für die Regisseurin direkt aus Kafkas Sprache: „Er schreibt ganz klar – aber man spürt stets: Da ist noch etwas dahinter. Und dieses Moment des Visionären kann man gut über den Tanz vermitteln.“

 So soll der Abend zwischen Biografie und Literatur changieren, finden sich Ausschnitte und Anklänge an Die Strafkolonie wieder, an Der Heizer, Die Verwandlung und Der Prozess. „Ich will die Symbiose von Leben und Schreiben zeigen“, sagt Pulkrabek. „Kafka hat es ja selbst beschrieben: ,Unter den Liebsten lebte ich fremder als ein Fremder’. Und so sieht man auch in seinen Erzählungen und Romanen lauter deplatzierte Figuren. Und am Ende soll man sehen, dass diese Figuren Facetten von ihm selber sind.“

 (Premiere am Sonntag, 7. Juni, 19 Uhr, im Altonaer Theater. Außerdem am 8. Juni, 20 Uhr).

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Ein Artikel von
Ruth Bender
Kulturredaktion

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