15 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Frei.Wild füllten das Gelände

Baltic Open Air 2015 Frei.Wild füllten das Gelände

Beim fünften Baltic Open Air wurde am Schleiufer in Schleswig am Wochenende hart gerockt. Am Sonnabend traten unter anderem die Veteranen Uriah Heep und die Power-Metalband Powerwolf aus Saarbrücken auf. Höhepunkt war jedoch der Auftritt des Zugpferdes Frei.Wild.

Voriger Artikel
Prächtige Stimmung auf der Zielgeraden
Nächster Artikel
Karl-May-Spiele wieder mit mehr als 300 000 Besuchern

Philip Burger von Frei.Wild.

Quelle: Kai-Peter Boysen

Schleswig. Die umstrittene Südtiroler Deutschrock-Band sorgte am Sonnabend für ein proppenvolles Festivalgelände. Im Umfeld blieb alles friedlich, einen Zwischenfall gab es dennoch, denn nach einem Feuer auf der Bühne musste ihr Auftritt für 20 Minuten unterbrochen werden.

Es hat zahlreiche Diskussionen und Proteste im Vorfeld des diesjährigen Baltic Open Airs gegeben, denn nicht nur Frei.Wild, sondern auch Kärbholz oder Veritus Maximus, die Band des ehemaligen Böhse-Onkelz-Sängers Kevin Russell, gelten nicht unbedingt als politisch pflegeleicht. 

Dennoch ist das Konzept aufgegangen, denn die Frei.Wild-Fans sind reichlich erschienen, wie man an den vielen Shirts erkennen kann.

Los geht es am Sonnabend mit den Schweden Mustasch, Sänger Ralf Gyllenhammar führt wie immer auf Deutsch durch das Konzert aus rollenden Midtempo-Krachern wie „Bring Me Everyone“ oder „Double Nature“.

Im Publikum finden sich viele Zeitzeugen aus den Siebzigern und werfen gern mit der britischen Hardrockband Uriah Heep einen Blick zurück in Freude, als man das noch volle Haar zu Stampfern wie „Gypsy“ oder dem vom Keyboard beschleunigten „Easy Livin“ schüttelte. Einziges verbliebenes Gründungsmitglied ist Gitarrist Mick Box, doch auch Sänger Bernie Shaw ist bereits seit 20 Jahren dabei und bringt den taufrischen Auftritt der Band mit starker Rockstimme ins Ziel. Höhepunkt natürlich die Engtanzpremieren-Erinnerung „Lady In Black“.

Extrabreit haben die etwas undankbare Aufgabe, die Pause bis zum Auftritt von Frei.Wild zu überbrücken, doch „Flieger, grüß mir die Sonne“ oder „Hurra, hurra, die Schule brennt“ bleiben eine sichere Bank.

Die „Frei.Wild, Frei.Wild“-Rufe sind lauter geworden, dann legen Sänger/Gitarrist Philip Burger und Band mit Pyroeffekten und „Wir brechen eure Seelen“ los, einfach gestrickter, auf Hymne getrimmter Deutschrock, und dann brennt es auf der Bühne: Eine gut zwei Meter hohe Stichflamme schießt links am Bühnenrand empor und hüllt alles in Rauch. Die Security hat die Situation schnell per Handlöscher im Griff, ein Mädchen wird hinausgetragen, scheint aber nur einen Schock erlitten zu haben. „Jetzt erst recht“ meint Burger nach der zwanzigminütigen Unterbrechung und die Band spielt ihr Konzert, von vielen Textsicheren begleitet, zu Ende. Fazit: Deutschrock mit markigen Worten, Freundschaft hier, Kampfansagen da. Was nervt, ist diese im Kern doch kindhafte Suche nach Abgrenzung, das Märtyrerhafte, das Elitäre, der Stolz auf die eigene Gemeinschaft, die Wut auf den Rest, der anderer Meinung ist. Nach einem Miteinander Aller klingt das jedenfalls nicht, und das ist schade, weil es trennt und Fronten bildet.

Powerwolf feiern danach eine satirische, manchmal gar alberne „Metal-Messe“, die aber durch feine melodische Schmankerl wie „Coleus Sanctus“ oder „Amen & Attack“ durchaus ihren Reiz hat. Was dem Festival noch fehlt, ist das Flair, das Besondere, da geht noch mehr an der Schlei.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3