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Bangen um Konzertsaal im Kieler Schloss

Pachtvertrag gekündigt Bangen um Konzertsaal im Kieler Schloss

Die Sorgen um die Zukunft des Konzertsaals im Kieler Schloss haben eine neue Dimension erreicht: Zum 30. Juni 2017 hat die Firma Kiel Concerts ihren Mietvertrag als Betreiber der Veranstaltungsräume gekündigt. Entsprechend kann der Konzertsaal dann vom SHMF oder den Philharmonikern nicht mehr gebucht werden.

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Bald nur noch eine leere Hülle? Der vor 50 Jahren eröffnete Konzertsaal im Schloss wird den privaten Betreibern zu teuer.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Für die Philharmonischen Konzerte des Theaters Kiel gibt es derzeit ebenfalls keine Perspektive.

 Man habe aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt, sagt Kiel Concerts-Geschäftsführerin Claudia Lohse. Die Verluste würden höher, das Jahr 2015 sei schlechter gebucht gewesen als erhofft. Um die 100000 Euro Defizit hatte Kiel Concerts im Schnitt der letzten Jahre zu verkraften, ein weiterer Anstieg sei nun nicht mehr auszugleichen. Der Markt, so Lohse, habe sich nicht nur in Kiel grundlegend verändert, was sich in weniger Tournee-Gastspielen genauso bemerkbar macht wie etwa im Bereich der großen Bälle. Und die selbst veranstalteten Abo-Reihen wie die Streiber-Meisterkonzerte rechneten sich schon lange nicht mehr. Die notwendige Sanierung, die auch die hohen Energiekosten reduzieren könnte, sei für den privaten Betreiber ohnehin nicht zu stemmen. Der gesamte Schlosskomplex war vor zwölf Jahren für einen symbolischen Euro an die Geschäftsleute Klaus-Peter Marschall (Kiel) und Erich Neuy/Margrit Howe-Neuy (Wiesbaden) verkauft worden, um den Landeshaushalt von Betriebskosten und Sanierungsstau zu entlasten. Marschall ist ebenfalls Geschäftsführer der Kiel Concerts Veranstaltungs- und Betreibergesellschaft mbH.

 So überrascht Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und auch Festivalintendant Christian Kuhnt auf den Termin reagierten, kommt für Kiels GMD Georg Fritzsch die Situation dennoch nicht unerwartet. Er versucht seit Jahren eine Zukunftslösung für den sanierungsbedürftigen Konzertsaal zu finden. Ohne öffentliche Gelder könne das nicht funktionieren, betonte Fritzsch am Montag erneut. Alle vergleichbaren Säle befänden sich in öffentlicher Hand, „und da gehören sie auch hin“. Es sei auch normal, dass im laufenden Konzertbetrieb Defizite anfallen. Es sei eben „keine boomende Branche“, selbst wenn Fritzsch bei seinen Philharmonischen Konzerten leichte Steigerungsraten vermelden kann. Für das Theater Kiel hingen rund eine halbe Million Einnahmen an den Konzerten im Schloss.

 „Wir bekommen enorme Schwierigkeiten“, sagt der GMD, spürbar besorgt um das Konzertwesen in Kiel: Das Opernhaus könne keine Alternative sein, „wir haben keinen Plan B“. Er setzt auf das mittlerweile gereifte Bewusstsein, dass der Konzertsaal im Kieler Schloss ohne öffentliches Engagement nicht zu sanieren und zu betreiben sei. Das will auch Oberbürgermeister Ulf Kämpfer nicht verhehlen. Nach Expertenrunden mit Vertretern aus der Konzertbranche, aber auch des Landes sowie privaten Investoren sollte ein Gutachten die Kosten für unumgängliche Sanierungsmaßnahmen auflisten. Sie dürften über zehn Millionen Euro liegen. Im Juni, 50 Jahre nach Eröffnung des Konzertsaales, wurde das Gutachten für November avisiert – jedoch ist es offenbar bis dato noch nicht beauftragt.

 OB Kämpfer, bislang von Schloss-Seite nicht direkt informiert, bekräftigte, „es wäre eine mittlere Katastrophe, wenn SHMF oder Theater Kiel ab Sommer 2017 ohne zentrale Spielstätte dastünden“. Die Rolle der Stadt bei der Entwicklung eines weiterführenden Betreibermodells sei derzeit völlig offen, „aber an meinem konstruktiven Willen ist nicht zu zweifeln“. In diesem Sinne zeigte sich SHMF-Intendant Christian Kuhnt, dem angesichts der Probleme um die Akustikdecke im Konzertsaal der Lübecker MuK bereits 2016 eine gewaltige Baustelle droht, zwar „erschüttert über die neue Entwicklung“ in Kiel. Zugleich gab er sich aber auch zuversichtlich, „dass die Stadt ihre Rolle erkennt und gemeinsam mit dem Land schnell Klarheit schafft: Jetzt kann man das Problem nicht mehr vor sich herschieben“. Ziel dürfte ein zweistufiges Modell sein, das zunächst den Weiterbetrieb, danach auch die notwendige Sanierung sicherstellt. Sicher mit öffentlichen Mitteln, gern mit möglichst vielen Partnern, etwa in einer Stiftung oder einer förderfähigen, gemeinnützigen GmbH.

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

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Foto: Gefährdeter Konzertort: Philharmonischer Chor und Orchester unter der Leitung von Georg Fritzsch im Schloss.

Die drohende Schließung des Konzertsaales im Kieler Schloss zum 30. Juni 2017 hat besorgte Reaktionen ausgelöst, aber auch Anlass zu Appellen an die Adresse der Stadt gegeben.

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