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Verschwitzte Ekstase

Beatsteaks in der Kieler Pumpe Verschwitzte Ekstase

Es bedurfte keiner großen Ankündigung, das Konzert der Beatsteaks in der Pumpe in Kiel war auch so in Nullkommanix ausverkauft. Spielfreudig und vielleicht auch ganz glücklich, nach Festivalmassen mal wieder „vor der Familie“ zu stehen, sorgten die Berliner ohne feste Setlist für einen unvergesslichen Kieler Konzertmoment und verschwitzte Ekstase vom ersten bis zum letzten Ton.

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Ohrenbetäubender Jubel, als Beatsteaks mit „Shiny Shoes“ einen schön rollenden Alternative-/Punkklassiker vom zweiten Album starten.

Quelle: bos

Kiel. Um sich der Besonderheit dieses Club-Konzerts mal klar zu werden: Vor knapp zwei Wochen spielten Beatsteaks in der Berliner Wuhlheide (Fassungsvermögen 17000 Besucher) zu ihrem zwanzigjährigen Bestehen zwei Tage vor ausverkauftem Haus.

Auch dort waren Feine Sahne Fischfilet aus Mecklenburg-Vorpommern als Support dabei, jetzt darf die Punkband in der feuchtwarmen Clubatmosphäre der Pumpe den 750 Fans einheizen. Das funktioniert ganz gut, besonders der Prototyp eines Punkrock-Ohrwurms namens „Komplett im Arsch“ wird gebührend gefeiert.

Schnell noch etwas Sauerstoff getankt, dann wird der Saal auf die Kochplatte gesetzt. Ohrenbetäubender Jubel, als Beatsteaks mit „Shiny Shoes“ einen schön rollenden Alternative-/Punkklassiker vom zweiten Album starten, „My Revelation“ legt gleich noch ein paar saftige Riffs nach. „Ist es okay, wenn wir sehr viele alte Songs spielen?“, fragt Sänger und Gitarrist Arnim Teutoburg-Weiß die brodelnde Masse. „Ach – wir spielen einfach alles was wir können“, fügt er grinsend hinzu. Und das ist bei Beatsteaks Einiges, die Band hat sich nie begrenzen wollen und verfügt mit ihrem charismatischen Frontmann über einen stimmlich flexiblen, melancholisch-verspielten Alleskönner, der seine Band durch Pop („Gentleman Of The Year“) Ska und Reaggae („Cut Off The Top“, „I Don`t Care As Long As You sing“) sowie diverse Rock-Subgenres führt, immer mit gutem Gefühl für Rhythmus, Melodie und zwingende Singalongs, denen das Publikum nur zu gern folgt.

Crowdsurfer steigen wie Heißluftballons aus der Menge auf und wabern durch den Saal, die Bühne wird von Stagedivern frequentiert. Ein Fan steht unverhofft im Mittelpunkt, als er zu „Cheap Comments“ die Strophen singen oder vielmehr schreien darf. Glückseligkeit pur.

Der Sound ist vom Feinsten, so lassen sich das wunderbar fließende „To Be Strong“ oder das walzernd-wogende und im Refrain donnernde „Under A Clear Blue Sky“ fürstlich genießen.

Aus allen sieben Alben schöpfen Beatsteaks, von „Different Ways“ („Das erste vernünftige Lied, das wir geschrieben haben“) vom 97er-Debüt „48/49“ bis „Everything Went Black“ vom letzten Longplayer „Beatsteaks“, das eine düstere Geschichte zu trügerisch-stylischem Sound erzählt.

Für den dreckigen Hardcore-Song „Schlecht“ ist die Röhre von Gitarrist Bernd Kurtzke das Mittel der Wahl, sein Kollege Peter Baumann darf, am Klavier begleitet von Drummer Thomas Götz, die kräftig „ballinande“ Ballade „Hey Du“ zu siebenhundertfacher Begleitung intonieren.

Aus einer langen Liste gefeierter Songs stechen die Hits wie der Uptempo-Ska „Hello Joe“ und der Punkbrecher „Let Me In“ (inklusive kollektivem Aufspringen) heraus. Wer noch Luft hat, nimmt das finale „I Don`t Care As Long As You Sing“ beim Wort.

Arnim hat einen letzten Solo-Auftritt zu „Mietzis Song“, dann heißt es: „Macht`s gut! Vielen Dank für alles!“ Gern geschehen!

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