17 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Dem Moment so nah wie möglich

Behnhaus Lübeck Dem Moment so nah wie möglich

Das Lübecker Behnhaus ist im Norden erste und einzige Station der Ausstellungstour, die mit niederländischen Malern der Moderne bekannt macht, deren Namen hierzulande kaum einen Klang haben.

Voriger Artikel
Kinoprogrammpreis 2015 für Hamburger Abaton-Kino
Nächster Artikel
Von Freiheit und Globalisierung

Paul Gabriel: „Polderlandschaft“ von 1866 steht für niederländische Kunst der Moderne.

Quelle: Marten de Leeuw

Lübeck. So könnte es in diesen Adventstagen damals auch in Lübeck ausgesehen haben: spätnachmittags in der Dämmerung. Damen drängen sich um das Schaufenster des Hutgeschäfts, das Rot des Interieurs wirkt warm im Schein von Deckenleuchten. Links in der Tiefe des Raums der Verkaufstresen, wo Kundinnen bedient werden. Draußen auf dem Gehsteig eilen Passanten vorbei und unterstreichen die Atmosphäre urbaner Geschäftigkeit. Isaac Israels (1865-1934) hat mit zügigem breiten Pinselstrichen seine Eindrücke von Hutgeschäft Mars auf dem Nieuwendijk in Amsterdam wiedergegeben.

Es zählt zu den atmosphärischsten Gemälden, die aus der Groninger Sammlung Veendorp auf die Reise durch vier deutsche Museen geschickt wurden. Das Lübecker Behnhaus ist im Norden erste und einzige Station der Ausstellungstour, die mit niederländischen Malern der Moderne bekannt macht, deren Namen hierzulande kaum einen Klang haben. Eigentlich erstaunlich, meint Museumsleiter Alexander Bastek, setzte sich doch Max Liebermann in der Secession nicht nur für die frühe Haager Schule ein, sondern auch für die nachfolgende junge Malergeneration der Amsterdamer Impressionisten, zu der eben auch Isaac Israels zählte. Ihnen, aber nicht nur ihnen, galt das Interesse des Groninger Sammlers.

 Israels, sei als Sohn von Jozef Israels, dem bekannten Maler der Haager Schule, das Malen in die Wiege gelegt worden, sagt Elise van Ditmar, die Groninger Kuratorin der Ausstellung. Aber nicht Zuiderzee, Kanälen mit Schuten oder dem hohen Himmel mit Windmühlen galt sein Interesse. Israels liebte die Stadt, „und die bildhübschen Verkaufsfräuleins der Huthandlung Mars hatten es ihm besonders angetan“, sagt Elise van Ditmars. Sie spielen allerdings auf seinem Gemälde nur eine Nebenrolle. Israels kam es auf Atmosphäre an, auf die Erfassung des Moments. Und dem wollte er so nah kommen wie möglich: Deshalb habe er sich gegenüber der Huthandlung eingemietet, erzählt die Kuratorin. Dort, in einem kleinen Zimmer über Mendels Kurzwarenladen entstand das Gemälde im Jahre 1893.

 Ab den 1920er Jahren trug der Groninger Architekt und Ziegelfabrikant Reurt Jan Veendorp diese Bilder zusammen, die 1969 als Dauerleihgabe ans Groninger Museum gingen. Mehr als 400 Werke zählt sie, darunter 100 Gemälde und über 150 Zeichnungen und Aquarelle. Der Schwerpunkt liegt auf niederländischer Kunst aus der zweiten Hälfte des 19. und den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Weite Landschaften, Seestücke, Stadtansichten, Stillleben und Bildnisse: Stattliche 70 Bilder sind nun im stimmigen Ambiente des Lübecker Behnhauses zu sehen. Stilistisch reicht der Bogen vom redlichen Naturalismus über den lockeren Impressionismus bis hin zum neusachlichen Realismus.

 Und Alexander Bastek fragt beim Rundgang spitzbübisch, wer denn den Gauguin erkannt habe. Das kleinformatige Gemälde zeigt die L’eglise de Vaugirad vor blauem nächtlichem sternenklaren Himmel. Die Kirche, die nur wenige Meter von seiner Pariser Wohnung in der Rue Carcel entfernt lag. Schon damals, als der Sammler es kaufte, war es eines der teuersten Gemälde der Kollektion. Gezögert hat er trotzdem nicht: „Die Schlichtheit der Komposition, die wunderbare emaillehafte Farbe, das Gemälde faszinierte mich“, so Veendorp in seinen Erinnerungen.

 Museum Behnhaus Drägerhaus, Lübeck, Königstraße 9-11. Bis 28. Februar. Di-So 11-17 Uhr. Katalog Imhof-Verlag 19,80 . www.museum-behnhaus-draegerhaus.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3