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Großes Kino Schlag auf Schlag

Kieler Schloss Großes Kino Schlag auf Schlag

Eine Uraufführung mit dem Komponisten als fulminantem Solisten, eines der meistgespielten Stücke des Konzertbetriebs und ein Gastdirigent, der wunderbar selbstverständlich Höchstleistungen provoziert: Diese Zutaten sorgten am Sonntag dafür, dass das 7. Philharmonische Konzert im Kieler Schloss musikalisch aus allen Nähten platzte.

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Der Komponist als fulminanter Solist: Biao Li während der Uraufführung von „Dance Of The Century“.

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Kiel. Einen versierteren Einspringer kann man sich nicht wünschen. Nur wenige Tage vor dem 7. Philharmonischen Konzert hat Edmon Colomer den Dirigentenpart übernommen, für den ursprünglich Pedro Halffter vorgesehen war. Im Gesamtergebnis aber erlebt der Zuhörer im recht gut besuchten Schloss am Sonntagvormittag ein Ereignis, das alles andere als kurz geprobt erscheint. Schon beim Einstieg mit Ferruccio Busonis Tanzwalzer op. 53 BV 288 zeigen sich der aus Barcelona stammende Maestro und die Kieler Philharmoniker frappierend souverän. Klar und aufgeräumt klingen zunächst die Blech- und dann die Holzbläser zu Beginn dieser reizvollen Meditation über das Phänomen Walzer. Kurz darauf lässt das ganze Orchester den Dreivierteltakt in all seinen Facetten erscheinen. Ob feierlich, tänzerisch, melancholisch oder sogar ein wenig ruppig: Colomer setzt Busonis Werk klangfarblich stets stimmig um. Sein transparenter Dirigierstil mündet überdies in einen schönen Raumklang.

 Dieser prägt auch die folgende Uraufführung des Schlagzeugkonzerts Dance Of The Century in der Fassung für einen Schlagzeuger und Sinfonieorchester. Dessen Hauptkomponist Biao Li ist zugleich auch der Solist. Sein erstes großes Werk schrieb der 1969 geborene Chinese, der heute zu den großen Schlagwerkvirtuosen der Welt zählt, nach eigener Aussage intuitiv und ließ sich bei der Ausarbeitung von seinem Landsmann Meng Ke unterstützen, der zu den wichtigsten Filmmusikkomponisten des Landes zählt. Tatsächlich erinnert das dreisätzige Werk über weite Teile an einen Soundtrack, arbeitet mit großen musikalischen Gesten, ohne dabei platt zu wirken.

 Besonders faszinierend ist Biao Li dabei der Solopart geglückt, den er als ebenso virtuoser wie lyrischer Schlagwerker umsetzt. Obwohl technisch anspruchsvoll angelegt, ist hier nicht das große Donnerwetter zu erleben, das Schlagzeugkonzerte so oft das Air einer Zirkusnummer verleiht. Vielmehr scheint der Solist hier genau so oft das Orchester zu begleiten wie umgekehrt, gibt es wunderbare kleine Dialogszenen zwischen Li und den Schlagwerkern der Philharmoniker. Die Plakativität der Musik, in deren Verlauf der Meistertrommler unter anderem auch an Xylophon, Vibraphon und hochsensibel an der afrikanischen Kalimba zu erleben ist, wird auf diese Weise durch erstaunlich viel Feinsinn ergänzt. Blockbuster-Applaus, Standing Ovations und eine sanft swingende Zugabe am Vibraphon zur Pause.

 In der zweiten Konzerthälfte zeigt Colomer mit den unvermindert präsenten Philharmonikern eine konzentrierte und facettenreiche Version von Manuel de Fallas 1. Suite aus dem Ballett El sombrero de tres picos, um dann Maurice Ravels Bolero zum Leben zu erwecken. Es ist wiederum erstaunlich, wie unverbraucht dieses im Konzertbetrieb allgegenwärtige Werk in der Version des Maestros klingt, wie überlegt hier Mechanik und Emotion zusammengeführt werden – und wie frisch sogar die Schlusspointe klingt. Das Ergebnis: stürmischer Beifall – und die nachdrückliche Empfehlung der Wiederholungskonzerts am heutigen Abend.

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