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Ein Arzt mit Erfolgsrezept

Bela B. in Kiel Ein Arzt mit Erfolgsrezept

Irgendwann setzen sich die aufgeregten Fans in der ersten Reihe hin. Der Treppensaum im Foyer des Funkhauses Wittland hatte sie ihrem Idol Bela B. bei dessen Präsentation des brandfrischen Albums Bye! als exklusives „Delta-Radio“-Konzert zwar den entscheidenden Schritt näher gebracht, allerdings auch einen entschiedenen zu hoch für die gut 200 Gäste dahinter.

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Charmeur schick in Schale: Bela B., Schlagzeuger der Band Die Ärzte.

Quelle: Manuel Weber

Kiel. Einer aus den Reihen lässt sich zu einem „Danke, Besserfans“ hinreißen. Bela B. – ganz Gentleman – springt den Mädchen mit lässig-sonorer Stimme zur Seite, jenen, die ihm ihre unbedingte Zuneigung ganz Erste-Reihe-Rockkonzert-mäßig mit Edding auf bunte Pappherzen schnörkelten: „Vielleicht waren sie einfach nur früher da als du, mein Freund.“ Sie waren sogar die Allerersten. Bela B. ist aber nicht nur Charmeur, sondern auch Geschäftsmann und schiebt gleich hinterran: „Tauscht doch einfach Telefonnummern aus, zeugt viele Kinder und trichtert denen ein, dass sie alle meine Platten kaufen sollen, dann habe ich auch was davon.“

Sollte das ein gebräuchliches Konzept im Hause B. sein, dann scheint das aufzugehen, denn der Großteil der Gäste ist doch noch blutjung – zumindest im Vergleich zum mittlerweile 52-jährigen Wahl-Hamburger. Aber sei’s drum, solange er doch deren Sprache spricht, und das scheint er nach wie vor zu tun.

Auch auf Bye, aus dem er zusammen mit der ebenso charmanten wie schlagfertigen Peta Devlin eine kleine Auswahl als Akustikversionen präsentiert. Was den Liedern nicht immer gut tut. Während die Studioversionen durch die fabelhafte Nürnberger Rockabilly/Country-Formation Smokestack Lightnin’ ordentlich Dampf unterm Kessel haben und nicht zuletzt durch die trocken twangende Abmischung den Geist eines ganzes Genres mittransportieren, wirken Lieder wie Für immer so sein, mit Django-Reinhardt-Gypsy-Country-Swing-Appeal ein Glanzstück auf dem Album, akustisch vergleichsweise fad – auch die Single-Auskopplung Abserviert lässt die breite Soundbrust der Platte vermissen.

Ein Spaß ist das natürlich dennoch. Nicht nur weil Songs wie das morriconehaft finster mollende Der Vampir mit dem Colt vom Solodebüt Bingo (2006) oder der vergnügte Mitklatsch-Stomper Everybody Hates You When You’re Popular vom australischen Duo TnT einfach richtig gut sind, sondern auch, weil Bela B. ein fabelhafter und heute beosnders gut aufgelegter Entertainer ist, einer, bei dem die Momente zwischen den Songs oft heller leuchten als die Lieder selbst – Spontanlieddichtung für seine bierdurstige Bühnenpartnerin inklusive.

Die Gäste jedenfalls sind glücklich und feiern den Arzt, dem die Frauen vertrauen. Die anschließende Autogrammsprechstunde dauert allerdings nur eine halbe Stunde. Das ist nicht viel. Vielleicht nutzt man da die Zeit doch lieber, um Telefonnummern auszutauschen und dann zu tun, was ein aufrechter Bela B.-Fan zu tun hat. Ist schließlich für ’ne gute Sache.

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